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Die Heimkehr

 

 

 

 

 

Der 73jährige emeritierte Bischof von Bozen-Brixen, Karl Golser, starb in der Heiligen Nacht in seiner Wohnung in Brixen. Ein Schock für das ganze Land und weit darüber hinaus. Golser war im Dezember 2008 vom ebenfalls emeritierten Papst Benedikt XVI. zum Bischof ernannt worden. Der Moraltheologe trat damals die Nachfolge des zuvor nach einem Herzinfarkt plötzlich verstorbenen Bischofs Wilhelm Egger (1940-2008) an. Sein moralisches und menschliches Format bewies Golser aber bereits lange vor seinem Amtsantritt, da er sich über sein Priester- und Lehramt hinaus in sozialen und ökologischen Fragen beherzt einbrachte.

 

Gemäß seines bischöflichen Wahlspruchs "Christus pax nostra/Christus unser Friede" setzte sich Golser besonders für das friedliche Zusammenleben der drei Volksgruppen in Südtirol und führt soziale Anliegen ein. Mit großer Hingabe und Menschlichkeit, aber klar in der Sache, ging er zu Werke. Auch im Gedenkjahr 2009, als er mit Nachdruck vor einer Verschärfung des politischen Klimas zwischen den Sprachgruppen warnte. Für ihn war der ständige Dialog das Maß der Dinge. Damit setze er in seinem nur zwei kurze Jahre dauernden Episkopat große Maßstäbe, die noch lange nachhallen werden. Er war ferner ein Bischof des Geistes, ein großer Kirchenmann und ein Professor mit intellektuellem Charisma, wie ihn die Neue Südtiroler Tageszeitung treffend beschrieb. 

 

Wie wichtig die von Golser vertretenen Werte sind, lässt sich an einem kleinen Ausspruch festhalten. Der deutsche Professor Michael Marie Jung hat in seinen „1.500 ausgesprochen scharfen Konturen“ erwähnt, dass man „im Zusammenleben nicht selten auseinanderlebt“. Wie wahr. Denn die Menschen vergessen leider allzu oft Ihresgleichen, aber keinesfalls den eigenen Vorteil. Und manche Ideologien lieben zwar die Menschlichkeit, vergessen dabei aber oft die Menschen selbst. Auch in der Kirche. Denn nach dem krankheitsbedingten Rücktritt als Bischof wurde Golser auch hierzulande nicht selten aus den kirchlichen Gedächtnissen gebannt. Einfach weggelassen, als bei den Messfeiern um das Wohl des jeweiligen Bischofs gebetet wurde.      

 

Dabei hätte gerade er, der wegen der Parkinsonkrankheit sein normales Leben nicht mehr leben konnte, unseren uneingeschränkten Zuspruch gebraucht. Er ertrug die menschlichen Prüfungen aber mit Würde und wurde damit abermals ein leuchtendes Fanal für die Kranken, für die Schwächsten im Land. Sein mutiges und offenes Bekenntnis zu seiner Krankheit hat seine starke sittliche Kraft einmal mehr verdeutlicht. 

 

Gäbe es doch nur mehr Menschen dieses Kalibers. Die Welt wäre eine bessere. Nun ist er also heimgekehrt. Als Gereifter und Beispiel für uns alle. Möge er ruhen in Frieden und über uns wachen. Wir können’s wohl brauchen! 

 

  

Reinhard Weger

 

 

 

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