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Überheile Welt

 

 

 

 

 

Das Pustertal war in den vergangenen Wochen Schauplatz hochkarätiger Veranstaltungen, die im Februar und März ihre Fortsetzung finden. Die alpinsportlichen Brennpunkte befinden sich in Hochabtei, Toblach, am Kronplatz, in Antholz und Gsies. Sie sind also mehr oder minder auf das gesamte Pustertal verteilt. Sie sind der Schmierstoff für den Tourismus. Denn ohne „Events“, wie man heute auf „Neudeutsch“ sagt, kommt der Tourismus nicht in seine vollen Gänge. Die sportlichen Höhepunkte haben heuer auch tatsächlich dafür gesorgt, dass der Schneemangel nur die Wälder, nicht aber die Brieftaschen der Hoteliers und Gastwirte ausdörren ließ.

 

Den absoluten Höhepunkt dieser Großveranstaltungen gab es am vergangenen Wochenende aber in Antholz. Knapp 67.000 Besucher wurden in Bussen in das idyllische Tal gekarrt. Das ist wohl ein neuer Besucherrekord. Die logistische und organisatorische Leistung der Antholzer war dabei einmal mehr makellos. Sie hatten die Situation im Griff. Man muss aber selbstkritisch genug sein, um hinter die Kulissen zu blicken. Denn 67.000 Besucher sind kein Pappenstiel. Sie müssen versorgt und verpflegt werden. Sie hinterlassen Dreck, wie von Seiten der Olanger Umweltgruppe mahnend ins Feld geführt wurde.

 

Nun, das Rad der Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Das Biathlonzentrum ebenfalls nicht mehr an einen anderen Ort bringen. Allerdings ist schon anzumerken, dass unsere Wohlstandsgesellschaft aus einem ganzen Haufen extrem verwöhnter Zeitgenossen besteht. Wir wollen selbst in der tiefsten Wildnis nicht mehr auf unseren ach so lieb gewonnenen Komfort verzichten. Natur und Kälte sind ja in Ordnung, aber doch bitte mit Fußbodenheizung! Verwöhnte Menschen delegieren ihre Probleme eben gerne an andere. Die rund 1.000 Helfer in Antholz rissen sich die Haxen aus, um allen Wünschen irgendwie gerecht werden zu können. Nicht zuletzt auch deswegen genießen die Helfer in Antholz tatsächlich einen exzellenten Ruf. Vor allem die Feuerwehrleute, die auf den Straßen ihren Dienst verrichten und die ersten sind, die mit den Fans in Berührung kommen. Der Dienst auf der Straße ist bei Gott kein Honigschlecken. Dabei wäre das gar nicht ihre Zuständigkeit und laut Straßenkodex sogar problematisch. 

 

Doch die Mitarbeiter und vor allem die Feuerwehrleute auf den Straßen sorgen für das gute Klima unter den Fans. Auch wenn es einmal etwas rauer zugeht. So gab es am Samstag nach dem letzten Rennen dann auch lautstarke Proteste, als die Busse für die Abfahrt der vielen Fans nicht sofort parat standen. Das Problem der stillen Örtchen wurde heuer zwar nicht gelöst, aber in Anzahl und Qualität wesentlich verbessert. Ein Brennpunkt ist der nächtliche Festbetrieb im Dorf, der vor allem für die Einheimischen mehr Plage als Freude ist. Es gab im Festareal kaum ein Haus, das nicht mit Baustellengittern und Brettern abgesichert war, damit es die „fröhlichen“ Nachtschwärmer nicht den Vierbeinern gleich „markierten“. Wir müssen also zur Kenntnis nehmen, dass in unserer (über)heilen Welt die Quantität nicht mehr das alleinige Maß der Dinge ist. Denn am Ende zählt halt doch nur der Mensch. Auch als einzelnes Individuum.    

 

 

Reinhard Weger

 

 

 

 

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