icon kommentar

Sichtweisen

 

 

 

 

 

In den vergangenen Wochen war wieder mächtig viel los. Die Bauern trafen sich zum traditionellen Informationstag, die Politiker stritten über die Sanitätsreform und ihr eigenes Salär. Die Bürgermeister kämpfen um ihre Rentenabsicherung und die bürokratischen Stilblüten treiben mehr Knospen als die Stauden in der prallen März-Sonne. Dabei ist der Frühling heuer ohnehin schon zwei Wochen zu früh unterwegs. Was diese Dinge gemeinsam haben? Das ist schnell auf den Punkt gebracht: Es geht in irgendeiner Weise immer um Geld und Macht oder um beides. 

 

Doch wie bei allen Dingen gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille. Nehmen wir die Politiker: Derzeit ist es in Mode gekommen, auf sie einzudreschen. Sie seien allesamt charakterlose Zeitgenossen, die den Rachen nie voll genug kriegen. Doch nicht die Politik verdirbt den Charakter, sondern – wenn schon – die Charakterlosigkeit der Menschen die Politik. In demokratisch ausgerichteten Regierungssystemen werden die Politiker schließlich gewählt. Und zwar von uns allen. Damit wäre die juristische Leseart dann aber die, dass wir alle eine Mitschuld tragen, wenn beispielsweise Flaschen am Werk sind. Jene, die nicht gewählt haben, sind gleich doppelt verantwortlich. Eine durchwegs spannende Abhandlung!

 

Doch auch Politiker sind in erster Linie Menschen. Und man weiß ja, dass Mikrofone mehr oder weniger das Einzige sind, das sie sich gerne vorhalten lassen. Im Übrigen müssen große Männer (und natürlich auch Frauen) kleine Fehler haben, denn sonst werden sie uns gar zu unähnlich. Und das wäre dann auch wieder nicht recht. Fakt ist also, dass unsere Sichtweise das Problem ist. Unkraut oder Nutzkraut lässt sich nämlich auch nur aus der Sichtweise des Betrachters und der Verwendung definieren. Der österreichische Satiriker Heinz UnART hat das an der Brennnessel bildlich aufgezeigt. Diese Pflanze kennt jeder. Aber es macht halt einen Unterschied, ob man in einen Brenneselhaufen hineinfällt oder die Brennnessel aufbereitet verspeist oder mit ihnen eine Kur genüsslich absolviert. Weiß Gott, was man sonst noch alles damit anstellen kann.

 

Unterschiedliche Sichtweisen gibt es auch bei der Bürokratie. Die wurde jüngst sowohl bei der Informationstagung der Pustertaler Bauern als auch bei der Vorstellung der heurigen Tipworld-Fachmesse im Raiffeisen-Forum thematisiert. Die Bürokratie ist in meinen Augen ein Drama in unzähligen Akten. Weil ständig versucht wird, mit mehr Bürokratie die Bürokratie abzubauen, wie der deutsche Journalist und Lyriker Wolfgang Reus schon vor Jahrzehnten erkannt hat. Ein echter Teufelskreis, den es schleunigst zu durchbrechen gilt. Das wiederum wäre eine der wichtigsten Aufgaben für unsere Volksvertreter und mein seliger Wunsch in österlicher Vorfreude. 

 

A propos Ostern: An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen liebe Leserinnen und Leser, im Namen meines gesamten Teams von Herzen die besten Osterwünsche zu überbringen. Denn die wahre Bedeutung von Ostern ist dreierlei: Liebe, Hoffnung und Vergebung! Passt das nicht hervorragend?

      

 

Reinhard Weger

 

 

 

 

Zusätzliche Informationen