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Weltgeist

 

 

 

 

 

Am vergangenen Wochenende wurde auf dem frisch renovierten Festplatz von Pfalzen das Gesamttiroler Marketenderinnen-Treffen organisiert. Das Motto „Mitanonder für Tradition und insere Hoamet“ war Anspruch und Programm gleichermaßen. Die drei Landesmarketenderinnen Franziska Jenewein (Tirol), Chiara Guetti (Welschtirol) und Verena Geier (Südtirol) konnten rund 200 Frauen in Tracht begrüßen. In ihrem Sog fanden sich auch rund 150 behütete Männer samt Hahnfeder ein. Sie alle boten ein prachtvolles Ensemble und ließen mit ihrer bloßen Anwesenheit die Veranstaltung zu einem Erfolg werden. 

 

Es war vor allem die ehemalige politische Wegbereiterin Eva Klotz, die in ihrer viel beachteten Festrede den Fokus auf ein höchst aktuelles Thema lenkte. Sie forderte die Marketenderinnen nicht nur dazu auf, die Tracht ordentlich und das Haar stets in Ordnung zu tragen. Sie meinte darüber hinaus, dass die „Marketenderinnen zwar die Zierde der Kompanien, doch kein Verschönerungsverein“ seien. Sie seien nicht Trachtenpflegerinnen, sondern Trachtenträgerinnen! Der Beitrag der Marketenderinnen sei hinsichtlich des Wehrwesens und in dem, was die Wehrhaftigkeit ausmacht, von existentieller Bedeutung. Mann, das hat gesessen! 

 

In Pfalzen wurde einige Male das Wort „Kampf“ in den Mund genommen. Eva Klotz räumte in dieser Hinsicht auch mit einer falschen Auslegung des Begriffs „Schützen“ auf. „Schützen“ sei eine Ableitung von „Schießen“. Sonst müssten die Schützen ja „Schützer“ heißen. „Schütze“ habe was mit Wehrhaftigkeit, mit Kampf und Verteidigung zu tun. Gerade noch rechtzeitig kratzte sie dann die Kurve und machte den Anwesenden klar, dass die Zeiten Andreas Hofers und seiner Stutzen schwingenden Helden vorbei sei. Definitiv. Heutzutage greife man zu anderen Mitteln. Heutzutage geht das viel besser über das Internet. Dort können die Botschaften viel schneller, gezielter und vor allem massenhaft an die Frau bzw. den Mann gebracht werden. Die Südtiroler Schützen haben diese Art von „Kriegsführung“ nahezu perfektioniert. 

 

In Pfalzen wurde auch die Verwässerung der deutschen Kultur im Land angeprangert. Darüber hinaus wurde beklagt, dass Werte, die einst mit Inbrunst gelebt wurden, vielfach über Bord geworfen werden. Das lässt nur einen Schluss zu: Werte gewinnen offensichtlich an Wert, wenn sie an Wert verlieren. Dann ist es höchste Zeit sich eines Besseren belehren zu lassen. Den größten Kampf, den die Schützen zu schlagen haben, ist der Kampf gegen den Weltgeist, der Geld heißt. Denn Geld ist magnetisch und zieht nicht nur Gutes an!

      

 

Reinhard Weger

 

 

 

 

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