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Teure Prinzipien

 

 

 

 

 

Das Südtiroler Autonomiemodell soll überarbeitet werden. Derzeit arbeiten die „33 Weisen“ eifrig daran, bis Ende Juni ein halbwegs passables Schlussdokument auf die Beine zu bringen. Ganz ohne Schrammen wird das nicht ablaufen, denn Reibungspunkte gibt es einige. Schon an der Frage, ob in der Präambel dieses Dokumentes die „christlich-abendländischen Werte“ genannt werden oder nicht, brachte die Diskutanten in Wallung. Das veranlasste den hochwürdigen Herrn Bischof Ivo Muser und seinen Generalvikar Eugen Runggaldier dazu, die blökenden Schäfchen zur Ordnung zu rufen. Dies unter dem Grundsatz, dass wir ein laizistisches Land sind, das auf die völlige individuelle und kollektive Religionsfreiheit gründet.

 

Nichtsdestotrotz hätten die Mitglieder des „Konvents der 33“ laut den beiden hohen Kirchenvertretern die Pflicht, den Bezug zu den christlich-abendländischen Werten in das Schlussdokument mit aufzunehmen. Zumal der christliche Glaube die Geschichte, die Kultur und die Identität unseres Landes maßgeblich mitgeprägt hat und dies wohl auch weiterhin tun wird. Von der Bedeutung der Religion für das friedliche Zusammenleben der Menschen gar nicht zu reden. Einmal unabhängig davon, dass im Namen der Religion auf der ganzen Welt noch immer Kriege geführt werden, ist es wichtig, über die Wichtigkeit von gesellschaftlichen und religiösen Werten zu diskutieren. Allerdings muss uns bewusst sein, dass Religion ein Sammelbegriff für alle Konfessionen ist, von denen jede den Anspruch erhebt, uns Menschen den besten Weg zeigen zu können. 

 

Genau darin liegt die Herausforderung. Denn für viele ist die Religion mittlerweile nur mehr eine reine Sonntagsangelegenheit geworden – wenn überhaupt! Doch Religion muss froh machen, muss als „Begegnung“ verstanden werden. Das schließt auch jene mit ein, die mit religiösen Werten nichts anfangen können. Der russische Romanautor Graf Tolstoi hat schon vor über 100 Jahren gemeint, dass die Religion die „fortgeschrittenste Weltanschauung“ ist. Unser demütiger und stets um Allgemeinwohl bemühter Herr Bischof befürchtet dagegen, dass die Südtiroler ohne religiöse Bindungen nicht nur zu gottlosen Gesellen werden, sondern sogar die eigenen Wurzeln verlieren. Und ein Volk ohne Wurzeln ist wie ein Baumstamm im tosenden Hochwasser. Und da muss dann die Feuerwehr mit schwerem Gerät ran. 

 

Wir müssen uns also unserer Werte und unserer Wurzeln besinnen. Denn Prinzipien sind Steine im Fluss der Dinge. Wer aber die Prinzipien des Lebens zu verstehen imstande ist, der gilt als weise. Der irische Lyriker Oscar Wilde hielt dem zwar einst entgegen, dass „Persönlichkeiten und nicht Prinzipien die Zeit in Bewegung bringen“, doch ich denke, dass das eine das andere nicht ausschließt. Denn Persönlichkeiten ohne Prinzipien sind schlicht keine Persönlichkeiten. Das gilt auch für die 33 Weisen.   

 

 

Reinhard Weger

 

 

 

 

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