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Reiches, armes Land

 

 

 

 

 

Das Arbeitsförderungsinstitut (AFI) der Handelskammer untersucht jedes Jahr die Einkommenserklärungen der Südtiroler. Anhand der Zahlen des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen. Im Jahr 2016 haben genau 416.054 Südtirolerinnen und Südtiroler dem Fiskus ihre Einkommen aus dem Jahr 2015 gemeldet. Insgesamt kamen in Summe 9,5 Milliarden Euro zusammen. Darin sind Schwarzgeld-Summen zwar nicht inkludiert, aber es handelt sich dennoch um einen schönen Batzen Geld. Auffallend ist noch etwas: Im Vergleich zum Jahr 2015 wurde beim Gesamteinkommen ein beträchtlicher Zuwachs von immerhin drei Prozent erzielt. Und das trotz Krise. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen betrug demnach 22.861 Euro. Damit liegt Südtirol im italienischen Spitzenfeld. Nur die reichere Lombardei kommt laut AFI auf 24.524 Euro pro Kopf.

 

Die Zahlen mögen auf den ersten Blick erfreulich erscheinen, zeigen aber eine entscheidende Schieflage. Zum einen gibt es große Unterschiede auf Gemeindeebene. Zwischen der „reichsten“ Südtiroler Gemeinde Pfalzen und der „ärmsten“ Gemeinde des Landes liegen Welten. Spitzenreiter Pfalzen kommt auf ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 27.817 Euro und Schlusslicht Kastelbell-Tschars auf magere 12.145 Euro Jahres-Einkommen. Bruneck ist mit 27.315 und Kiens mit 26.128 Euro Jahreseinkommen ebenfalls gut bedient. Andererseits sind die Einkommens-Unterschiede im Pustertal ebenfalls groß und machen deutlich, dass die Kluft zwischen ärmeren und reicheren Gemeinden im Grünen Tal größer wird. Besonders prekär ist die Situation in den peripheren Landgemeinden.  

 

Die Daten des Ministeriums zeigen aber auch, dass knapp 30 Prozent der Südtiroler Steuererklärenden Einkommen unter 10.000 Euro melden. Das deckt sich mit den Erhebungen der Verantwortlichen der Pustertaler Sozialdienste. Diese haben festgestellt, dass die Nachfrage nach unterstützenden Angeboten stetig steigt. Dies treffe in besonderem Maße auf Menschen mit Beeinträchtigung und auf Senioren zu. Am anderen Ende der Fahnenstange haben hingegen 11.782 Personen – das sind gerade mal 2,8 Prozent der Südtiroler Steuerzahler – ein Einkommen, das die steuerliche Höchstgrenze von 75.000 Euro übersteigt. In Corvara ist der Anteil der Höchstverdienenden mit fünf Prozent landesweit am höchsten. Auch das ist wenig überraschend! 

 

Das AFI regt in seinem Jahresbericht an, dass angesichts dieser Ungleichgewichte bei den Einkommen sehr rasch Überlegungen zu einer größeren Steuergerechtigkeit auch im Land Südtirol notwendig seien. Eine Forderung, die auch von politischer Seite immer wieder ins Feld geführt wurde. Nur: passiert ist mit Ausnahme von lokalen Maßnahmen bislang wenig. Der italienische Steuerzahler ist offenbar das einzige Lebewesen auf der Welt, dem man das Fell mehrmals über die Ohren ziehen kann. Armes, reiches Land!           

 

   

Reinhard Weger

 

 

 

 

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