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Impfpflicht

 

 

 

 

 

Wenn Babys ihre erste Impfung bekommen ist das Drama schon vorprogrammiert. Wenn der Sprössling vor Schreck aufschreit und das Gesicht beim ersten Stich verzerrt, dann tut das nicht nur dem Nachwuchs weh, sondern noch viel mehr den Eltern selbst. Spätestens in diesem Moment kommt die Frage: Ja Herrgott, muss das denn sein? Zweifel kommen auf. Schließlich wollen Eltern ja nur das Beste für ihre Kinder. Doch Zweifel sind die Wiege der Wissenschaft, aber der Sarg des Glaubens. Denn die Diskussion über die Notwendigkeit von Impfungen ist so alt wie die Impfungen selbst. 

 

Fakt ist aber, dass die gesamte Menschheit ohne Schutzimpfung ein echtes Problem hätte. Denn Impfungen gegen Krankheiten wie Diphtherie, Kinderlähmung und später Masern schützen das eigene Leben und retten das vieler anderer. Die flächendeckende Schutzimpfung gehört zu den größten Erfolgsgeschichten der modernen Medizin. Auf diese Weise wurden Millionen Menschenleben gerettet. In einer der vielen Diskussionen für und wider die Impflicht meinte ein Arzt in einer Talkshow, dass jener, der meint, sein Kind brauche die Schutzimpfung nicht, diese auch unangeschnallt ins Auto setzen könne. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Gurtpflicht belächelt oder bestenfalls als lästige Pflicht empfunden wurde. Mittlerweile hat sich das geändert. 

 

Insofern besteht die Hoffnung, dass auch in dieser Frage letztlich die Rationalität vor der Emotionalität siegt. Denn eine fehlende Impfung kann auch als tödliche Fahrlässigkeit enden. Und da fängt das Problem an. Denn die vermeintlich beste Entscheidung für das eigene Kind kann eine Entscheidung mit tödlichen Folgen sein. Für das eigene Kind oder für andere Menschen. Denn die Impfquoten sind zwar noch im Durchschnitt hoch, aber nicht mehr hoch genug. Und sie nehmen beständig ab. Damit tun sich gefährliche Lücken im gesellschaftlichen Impfschutz auf. Eine riskante Situation mit potentiell gefährlichen Auswirkungen. Beispiel Masern: Die sind keine Kinder- oder gar Erkältungskrankheit, wie im Pacherhaus zu hören war. Was für eine Verniedlichung! Denn immerhin führen die Masern bei jedem zehnten Erkrankten zu Komplikationen und laut dem Robert-Koch-Institut bringen sie einen von 1.000 Erkrankten ins Grab. Im Jahr 2015 starben laut Weltgesundheitsorganisation weltweit jede Stunde 15 Menschen an den angeblich so „harmlosen“ Masern. 

 

Impfzwang ist ein schlimmes Wort. Weil es den falschen Ansatz bietet. Doch genauso schlimm sind jene Menschen, die sich auf keine sachliche Diskussion einlassen und als Nicht-Mediziner glauben, sie wüssten besser als die Mediziner, was gut und schlecht für die Kinder und die Gesellschaft sei. In ihren Aussagen driften dann viele Impfgegner in fundamentales und egoistisches Gedankengut ab. Das ist schade, weil damit eine tiefgreifende Diskussion bereits im Keim erstickt wird. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht allein auf der weiten Welt sind. Friedrich von Schiller hat seinerzeit erklärt, dass „des Volkes Wohlfahrt die höchste Pflicht“ sei. Diese Pflicht fängt beim eigenen Nachwuchs an.           

 

             

Reinhard Weger

 

 

 

 

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