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Die Katastrophe
in der Katastrophe

 

 

 

 

 

Am vergangenen Wochenende (4.-6. August) kam es im Hochpustertal, in ganz Tirol und in Cortina zu Überschwemmungen und gewaltigen Murenabgängen. In Cortina wurde eine Autofahrerin von den Wasser- und Schlammmassen mitgerissen und in ihrem Fahrzeug getötet. Dass es in Prags beim Abgang der „Weißlahne“ vom Herrenstein nicht zu Verletzten oder gar Toten gekommen war, grenzt an ein kleines Wunder. Denn die dramatischen Meldungen im Laufe der Unwetternacht ließen das Schlimmste befürchten, zumal gar einige Menschen im Pragser-
tal ursprünglich als vermisst galten. Gottlob konnten sie alle unversehrt aufgefunden werden.

Was sich aber im Zuge der Unwetterkatastrophe im Hochpustertal abgespielt hat, soll an dieser Stelle näher erörtert werden. Denn noch in der Unwetternacht wurden Hunderte Helfer mobilisiert. Vor allem die Feuerwehrleute und Zivilschützer machten sich zum Teil unter Lebensgefahr auf die Suche nach den Vermissten und versuchten die entfesselten Naturgewalten zu bändigen. Auch die Leistungen der verschiedenen Landesämter, der Straßenbaudienste und der zahlreichen Baggerunternehmen sollen nicht unerwähnt bleiben. Vor allem Letztere werden oft vergessen, haben aber ebenfalls bis zur Erschöpfung gearbeitet. Dann kommt noch eine Vielzahl an freiwilligen Helfern, die mobilisiert wurden. In Prags, aber auch in Toblach und Innichen hat sich gezeigt, dass das Zivilschutzwesen wie eine gut geölte Maschinerie greift. Zudem ist die Nachbarschaftshilfe hierzulande keine Worthülse, sondern gelebte Realität. Das ist ein enormer Gewinn für das ganze Land.

Das ist auch gut so, denn Fakt ist, dass wir uns auf weitere Katastrophen einstellen müssen. Wir leben nicht vor oder nach der Katastrophe, sondern zwischen den Katastrophen. Der Klimawandel ist eine Realität, wobei das größte Problem nicht der Klimawandel selbst, sondern der Lebenswandel der Menschen ist. In dieser Hinsicht schadet es auch nicht, wieder etwas mehr auf die Alten zu hören. Denn diese wussten genau, wo es gefährlich werden kann. Die moderne Gesellschaft braucht dafür aber haufenweise Papier und Berechnungen. Die Aufgabe der „Weisen“ ist es also die Katastrophen vorauszusagen. Die Aufgabe der Tapferen dagegen, die kommende Katastrophe zu bewältigen. Das sagte einst Pittakus, ein griechischer Staatsmann. Der gute Mann lebte rund 600 Jahre vor Christus!

Im Zuge der Unwetterereignisse im Hochpustertal kam es auch zu anderen unschönen Szenen, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Bereits im Morgengrauen nach der Unwetternacht waren im Einsatzgebiet zahllose Schaulustige - Touristen und Einheimische - unterwegs. Als ob nichts passiert wäre. Schon der englische Dichter William Shakespeare wagte den Ausspruch: „Zum Gaffen hat das Volk Augen.“ Im Hochpustertal mussten sogar Feuerwehrleute ausrücken, um Personen zu befreien, die im Schlamm nicht mehr weiterkamen. Diese Art von Katastrophen- und Gaffertourismus ist eine Plage der modernen Kommunikationsgesellschaft und behindert die Arbeit der Einsatzkräfte mitunter ungemein. Denn wenn auf einen Helfer rund ein Dutzend Gaffer kommen, dann ist die Rechnung schnell gemacht. Bleibt die Frage, wie weit das noch führen wird! Auch darüber sollten wir nachdenken! 

           

Reinhard Weger

 

 

 

 

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