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Tierische Geschichten

 

 

 

 

 

Viele Tiere sind äußerst liebenswert. Und natürlich unverschämt niedlich. Sofern sie nicht gerade herumsabbern und ähnliche tierische Sachen anstellen. Mit ihrer Loyalität und körperlichen Zugewandtheit ziehen sie ihre zweibeinigen Besitzer in den Bann. Tiere sind oft Begleiter und Tröster zugleich und können oft viel smarter sein als Menschen. Und das Beste: Sie quasseln nicht um die Wette.
So weit, so gut! Tierliebe ist ja in Ordnung, denn man füttert und liebkost die Katze ja nicht des Mausens wegen, sondern weil man sie gern hat. Tierliebe ist schließlich einer der anständigsten Züge im Durchschnittsmenschen.     

 

Dennoch muss ich die Frage in den Raum werfen, ob die Tier-Verniedlichung mittlerweile nicht doch zu weit führt. Denn oft hat man das Gefühl, dass der Kult um die Verniedlichung der Tiere weit über das Ziel hinausgeschossen ist. Wenn erwachsene Menschen ein Tier für einen Kinderersatz, einen Partygag oder ein wandelndes Fotomotiv halten, dann übersehen sie das Lebewesen, auf das sie gerade blicken. Tiere sind keine Kuscheltiere und es ist eine Abwertung dieses Lebewesens, wenn es als Drückkissen missbraucht wird. Denn dafür eignen sich Stoff- und Plüschtiere wesentlich besser. Gar nicht zu reden von jenen Menschen, die Tiere mehr lieben als Menschen. Und diese Spezies soll immer zahlreicher werden. Keine Frage: das rechte Lot ist aus dem Lot geraten!

 

Der gleiche Unsinn wird rund um den Wolf und den Bär veranstaltet. Als der Trentiner Gouverneur Ugo Rossi sich „erdreistete“ einen Bären abschießen zu lassen, der zuvor zwei Menschen angefallen hatte, wurde er als „Mörder“ beschimpft. Geht’s noch? Diese fragwürdigen Grenzüberschreitungen sind nicht mehr hinnehmbar. Ein Tier kann in juridischer Hinsicht gar nicht „ermordet“ werden. Das geht nur bei Menschen. Ein ganz Schlauer wollte zudem allen Ernstes den vom Bär angegriffenen Waldspaziergänger wegen „Bärenbeleidigung und Verleumdung des Bären“ anzeigen. Ich weiß zwar nicht, ob die entsprechende Anzeige mittlerweile erstattet wurde, zumal die 90-Tage-Frist noch nicht abgelaufen ist, aber so viel blanken Unsinn habe ich selten gehört.  

   

Die „Willkommenskultur für Wolf und Bär“ hat Ausmaße angenommen, die mit rationalen Überlegungen nicht mehr kompatibel sind. Denn Wölfe und Bären sind Raubtiere, nicht mehr und nicht weniger. Sie müssen deswegen aber nicht gleich unser bester Freund werden. Sie haben auch nichts in Ballungszentren und landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen verloren. Dazu zählen auch unsere Almen. Und wenn Raubtiere Probleme machen, Menschen anfallen, massenhaft Nutztiere reißen oder gefährlich werden, muss konsequent und ohne Zögern gehandelt werden. Denn das Recht auf Schutz gilt nicht nur für Bären und Wölfe, sondern auch für den Menschen!            

            

Reinhard Weger

 

 

 

 

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