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Hasskommentare

 

 

 

 

 

Derzeit dümpelt der Wahlkampf in Deutschland so dahin. Höhepunkte sind Mangelware und in vielen Bereichen sind die politischen Aussagen ohnehin angeglichen. Von politischer Auseinandersetzung auf der Basis von programmatischen Schwerpunkten keine Spur. Doch schon der deutsche Literat Jürgen Wilbert meinte 2006 in „Hirnbissiges“, dass der „Wahlkampf ohnehin ein Wettstreit hinkender Vergleiche“ sei. Auch eine Sichtweise! Da die Landtagswahlen in Südtirol nicht mehr weit sind, hoffe ich schon, dass nicht auch bei uns zuerst um die Wette gedonnert und dann doch kein Feuerwerk abgebrannt wird.   

 

Es hat allerdings den Anschein, dass sich die verbale Auseinandersetzung zunehmend auf das Internet verlagert. Denn das Internet ist eine feine Sache. Da darf jeder kommunizieren, posten, liken, haten oder kommentieren. Ganz wie ihm beliebt. Und je schärfer die verbale Würze, umso größer die Aufmerksamkeit. Da schreiben Menschen Sachen, die sie im realen Leben ihrem Gegenüber wohl nie ins Gesicht sagen würden. Das Internet schüttet Beschimpfungen und Bedrohungen massenhaft aus. Ziel sind vor allem Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, aber auch normale Bürger. Auffallend viele Frauen werden Opfer von Hasskommentaren. Sogar Schulen sind bereits betroffen. Eine Entwicklung, die zu größter Sorge Anlass gibt. Denn Worte können oft mehr verletzen als Messer. 

 

Politiker sind ebenfalls beliebte Ziele. Das konnte man in Südtirol anlässlich des Rentenskandals – zugegebenermaßen ein echter Skandal – und der Diskussion um das Abhängen der Kreuze eindrucksvoll nachvollziehen. Auch in Bezug auf die Pflichtimpfungen wird nicht gerade zimperlich miteinander umgesprungen. Im Zuge der deutschen Bundestagswahl sind täglich ebenfalls hasserfüllte Kommentare im Netz zu lesen. So schrieb ein Hetzer an die Adresse der deutschen Grünen-Frontfrau Renate Künast den Satz „Man sollte dich köpfen“. Hochrangige AfD-Politiker schwadronierten zudem von „Entsorgung“. Nicht von Müll, sondern von politischen Gegnern. In Südtirol gibt es ähnlich schlimme Aussagen im Netz. Das ist eine unzulässige Verrohung der Bürgerlichkeit, die nicht hingenommen werden kann. 

 

Nachdem der Hass nun also auch bei uns um sich greift, muss man sich schon fragen, wohin das führen soll. Und wie man dem Ganzen Einhalt gebieten kann. Ein Ansatzpunkt ist sicherlich die Eindämmung unserer Neidgesellschaft. Denn Neid macht aggressiv, einsam und braucht keinen Grund. Doch Neid verleiht dem Hass Flügel. Das ist die größte gesellschaftliche Gefahr. Wegschauen und Achsel zucken sind keine Optionen. Wer auf üble Beleidigungen abwimmelnd, abgestumpft oder abgebrüht reagiert, öffnet dem unsäglichen Treiben der Internet-Trolle Tür und Tor. Gift und Galle können aber niemals legitime Mittel der verbalen Auseinandersetzung sein. Das gilt im Übrigen auch für unsere Politiker, denen man den Dreck auch nicht einfach kübelweise nachschmeißen kann. Denn irgendwann stehen die Schmutzfinken dann selbst im Dreck.

          

Reinhard Weger

 

 

 

 

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