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Duale Herausforderungen

 

 

 

 

 

Die Berufs-Weltmeisterschaften in Abu Dhabi haben eines gezeigt: Das Südtiroler Ausbildungssystem passt. Vor allem das duale. Die 22 jungen Handwerkerinnen und Handwerker, die den weiten Weg in den Wüstenstaat auf sich genommen haben, kamen letztlich mit fünf Medaillen und haufenweise Auszeichnungsdiplomen zurück. Auffallend war, dass die Spitzenleistungen in den unterschiedlichen Berufssparten erzielt wurden, was für die breite Qualität des Ausbildungssystems im Lande spricht. Denn wenn man sich gegen die Weltbesten durchzusetzen vermag, dann kann mit Recht von einer „stolzen Bilanz“ gesprochen werden. 

 

Der Gert Lanz – richtig, der LVH-Landespräsident – hat einmal mehr eine Lanze für das duale Ausbildungssystem gebrochen. Er bezeichnete diese Form der Ausbildung als Gradmesser für den weltweiten Erfolg. Die Teilnehmer an den „world skills“ seien aus seiner Sicht wichtige Botschafter für die duale Ausbildung und den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes. Er vergaß aber nicht die Leistungen der vielen Fachexperten und Lehrbetriebe ins Feld zu führen, die viel Energie und vor allem Herzblut in die Vorbereitung der jungen Leute gesteckt haben. Südtirol konnte jedenfalls seinen sechsten Platz in der weltweiten Nationenwertung verteidigen und liegt an dritter Stelle in Europa nach der Schweiz und Frankreich. Für ein so kleines Land ist das durchwegs ordentlich. Das Pustertal, und ganz besonders das Ahrntal, haben ebenfalls gut abgeschnitten. Hannes Innerbichler aus St. Jakob bei den Elektrotechnikern, Martin Niederkofler aus St. Peter als Automechaniker, sowie Theresa Pipperger aus Prettau als Sozialbetreuerin  haben exzellente Leistungen geboten. Innerbichler konnte gar eine Medaille erobern. 

 

Die Vorteile des dualen Ausbildungssystems liegen auf der Hand: Die Ausbildung ist praxisorientiert und der Auszubildende steht fest im Berufsalltag. Darüber hinaus verdient er auch Geld, was ja auch nicht zu verachten ist. Der Auszubildende kennt die Betriebsstruktur und hat dadurch sehr gute Chancen, vom Betrieb übernommen zu werden. Damit lässt sich auch erklären, dass überall dort, wo das duale Ausbildungssystem umgesetzt wird, die Jugendarbeitslosigkeit im Verhältnis wesentlich geringer ist. Denn je mehr Ausbildung, umso weniger Einbildung. Bereits der altgriechische Philosoph Diogenes hat geschrieben, dass die Grundlage eines jeden Staates die Ausbildung seiner Jugend ist. Der gute Mann lebte zwischen 400 und 323 vor Christus! Da könnten sich so manche Politiker eine Scheibe abschneiden. 

 

Man darf bei all der Euphorie aber auch die Herausforderungen nicht außer Acht lassen. Denn die Bedürfnisse der jungen Leute ändern sich. Geld spielt für viele im Arbeitsprozess nicht mehr eine so übermäßige Rolle, sondern sie wollen konkrete Chancen, Ausbildungsmöglichkeiten, Anerkennung und vor allem Freizeit. Gerade Letzteres lässt sich in der Phase der dualen Ausbildung aber oft schwer mit der Arbeit und dem Unterricht unter einen Hut bringen. Da braucht es neue Modelle und moderne Ansätze. Zudem muss das Image der dualen Ausbildung wesentlich gestärkt werden. Denn auch bei der Aktmalerei kommt es mehr auf das Modell und weniger auf den Pinsel an! 

       

           

Reinhard Weger

 

 

 

 

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