Zeitgeist im Widerstreit

  

 

Es dauert noch ganze fünf Wochen bis zur Niederkunft des Herrn. Dennoch weihnachtet es schon. Vor allem Kinder fiebern mit großer Ungeduld dem Ereignis entgegen. Weihnachten ist ihr Fest. Ein phantastisches Bild breitet sich vor ihren Augen aus: hier der Christbaum im flackernden Kerzenlicht; dort das verheißungsvolle Kindlein in der Krippe; daneben in Ehrfurcht gebeugt Maria und Josef; etwas abgerückt davon die Schafe, deren Lämmer, der wachsame Schäfer und sein Hund. Ochs und Esel sind auch da. Ihr Dabeisein rückt das Bild irdischer Wirklichkeit unendlich nahe. Wären da noch Wolf und Bär..., dazu vielleicht noch ein Fläschchen Heumilch – der Natur und der Permakultur wäre Genüge getan.

 

Ein Fest für Kinder? Sicher! Vorwiegend, doch nicht ausschließlich. Die Erwachsenen freuen sich nicht minder – die Kinder. Und sie tun etwas zu Ehren des Schöpfers aller Dinge. Im Advent wird das deutlicher denn je. Männer wie Frauen schauen in dieser Zeit öfter als sonst zu den Heiligen auf.  Zwar weniger zu denen in Stein und Marmor gemeißelten in den Gotteshäusern, darum umso öfter und inniger zu jenen in Kakaobutter gebadeten in Mammons Kathedralen, auf deren Altäre sie in allen Größen, Preislagen und Geschmacksrichtungen verführerisch thronen: süß, zartbitter, halbbitter, ganz bitter – wie’s im Leben halt auch so ist. 
„Kommt her zu uns, alle, die ihr noch unbeladen seid und füllt eure Körbe“, scheinen die Läden, einschließlich der Christkindlmärkte, ihren „Gläubigen“ in Abwandlung des Verses 28 nach Matthäus entgegenschreien zu wollen. Und der Ruf verhallt nicht in der Leere. Halb Italien nimmt ihn wahr; alle Jahre wieder! Und es macht sich auf den Weg nordwärts zu den Christkindlmärkten ins Heilige Land Tirol, dies- und jenseits von Outlet Brennero. 

 

Den Drei Weisen aus dem Morgenland ähnlich, folgen Abertausende dem leuchtenden Stern am Google-Himmel. Sie laufen dem goldenen Schweif hinterher. Er bringt sie schnurstracks nach Bozen, Meran, Brixen, Bruneck und Sterzing oder nach Innsbruck und Lienz. Die zwei letztgenannten Städte liegen zwar jenseits der Staatsgrenze, doch innerhalb des EVTZ. Dem Verbund gehört außerdem Trient an. Es ist daher logisch, dass auch dort ein Weihnachtsmarkt stattfindet.

 

Laut Erkenntnis des IDM führt jeder weihnachtlich inspirierte Marktpilger im Portmonee um die 150 Euro mit sich, wohl zum Zwecke, ihn damit am Ausdruck unseres Reichtums teilhaben zu lassen. Die weihnachtliche Völkerwanderung zu den Weihnachtsmärkten schwemmt jedes Jahr aufs Neue viel Geld in die Taschen der Veranstalter und drum herum in die Kassen des Handels, der Gastronomie, der Dienstleister und nicht zuletzt in die von Frau IVA. Es wird Mehrwert kreiert. Und darum geht es in der Hauptsache. Der Mehrwert, der den Wert des Festes mindert. 
Christus als Stratege, Image- und Werbeträger für ein besinnliches Weihnachtsfest!? Judit Steinmair spricht in ihrem Beitrag zum Klimaschutz hingegen von Kaufrausch unter dem Deckmantel des Christkinds. Das maßlose Konsumverhalten schädige die Umwelt erheblich. Dazu ein mahnendes Zitat von Adolf Hoops: „Die Menschen können nicht gesünder als ihre Umwelt sein!“

        

                 

jessasmaria

 

 

 

Anmerkung d. Red.: Diese Spalte ist normalerweise dem Chefredakteur der Zeitung vorbehalten. Nachdem dieser jedoch verhindert war, verfasste den Kommentar, zur Weihnachtszeit irgendwie passend: jessasmaria. 

 

 

 

Zusätzliche Informationen