Kernproblem

  

 

„Wir sind Förderer. Wir sind nicht Verhinderer!“ Wer sprach so? Es war der Bezirksdirektor Dr. Walter Amhof. Wann? Am 27. November in der Eingangshalle am Brunecker Krankenhaus. Den Anlass hierzu lieferte ihm die Vorstellung der vier neuen Primarärzte: zwei weiblichen, zwei männlichen Geschlechts; damit war der Chancengleichheit Genüge getan und jede Diskussion diesbezüglich schon mal vom Tisch. Die beiden Herren sind waschechte Pusterer, die Damen sind es nicht, was dem Sanitätsdirektor die scherzhafte Bemerkung entlockte: „Wie man sieht, hätten nicht allein Pusterer die Chance, am KH Bruneck eine Primarstelle zu bekommen“.

 

Doch weder der Herkunftsort noch das Geschlecht der vier Primare/innen waren für deren Nominierung entscheidende Kriterien. Ausschlaggebend hierfür war allein die fachliche Kompetenz, gepaart mit eindeutigen Führungsqualitäten, ohne die eine derart komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe nicht auskommt. Eigenschaften, die bei allen vier Bewerbern/innen üppig vorhanden sind. Das attestierten den Anwesenden im Rahmen der Vorstellung sowohl Sanitätsdirektor Dr. Thomas Landthaler als auch Bezirksdirektor Dr. Walter Amhof. Während nun Lanthaler jeweils den beruflichen Werdegang eines/er jeden erläuterte, formulierte Amhof die Erwartungen des Sanitätsbetriebes: „Qualitativ hochwertige Leistungen!“ 

 

Frau Dr. Martha Stocker, die Landes-Gesundheitsministerin, war ihrerseits über den Enthusiasmus, den die vier Neuen im Zuge der Formulierung ihrer Vorstellungen hinsichtlich der künftigen Ausrichtung und Entwicklung ihrer Abteilung versprühten, total happy. „Ich bin tief beeindruckt von der Weitsicht, Beflissenheit und Begeisterung mit der ihr euch an die Arbeit heranmacht!“ Martha Stocker pochte auf enge Zusammenarbeit mit dem Personal innerhalb der eigenen Abteilung; sie empfahl, das Netzwerk auch interdisziplinär zu knüpfen; es darüber hinaus bis in die Uni-Kliniken hinein auszulegen. Im Alleingang könne man zur heutigen Zeit komplexe Probleme nicht lösen, das die Auffassung der Politikerin.

 

Als Sanitätsreformerin hatte Martha Stocker keine leichte Zeit. Die Kosten wuchsen, das Geld wurde knapper. Das sagte man zumindest in der Öffentlichkeit, obschon die Aussage angezweifelt werden darf, denn der Landeshaushalt schrumpfte in der Tat kaum einmal! Und heute, wo die Wirtschaft anscheinend wiederum boomt, wird das Steueraufkommen wachsen, wovon der Landeshaushalt natürlich profitiert. Sollte das Gesundheitswesen also tatsächlich mit weniger Geld abgestraft werden, dann kann das nur internen Umschichtungen, nicht aber geringeren Einkünften geschuldet sein. 

 

In einem Jahr, im Herbst 2018, finden Landtagswahlen statt. Es ist also davon auszugehen, dass Sparmaßnahmen durch Leistungsschmälerungen zumindest vorübergehend kein Thema mehr sein werden. Ein gegenteiliges Vorgehen käme dem Bestreben der SVP, bei den Wahlen die absolute Mehrheit an Mandaten zu erreichen, wohl kaum entgegen. Hernach dürfte der Reformprozess wiederum mit voller Wucht weitergeführt werden: Die Ursachen, die für einen gestrengen Sparkus, Raionalisierungsmaßnahmen einschließlich, als Rechtfertigung zu gelten haben, sind allgemein bekannt: die Alten werden nicht jünger, die Jungen aber älter und älter... Die Überalterung ist’s!

 

Die Sanität war, ist und bleibt auch künftig reformbedürftig. Die Vergangenheit lehrt es uns: Es reformierten schon Otto Saurer und Richard Theiner; dann kam Martha Stocker: Sie schält und schält! Ob und wann sie auf den Kern kommt!? Schauma amol, noa segma woll!

        

                 

jessasmaria

 

 

 

Anmerkung d. Red.: Diese Spalte ist normalerweise dem Chefredakteur der Zeitung vorbehalten. Nachdem dieser jedoch verhindert war, verfasste den Kommentar: jessasmaria. 

 

 

 

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