Vorwahlen-Pflanzerei

  

Die SVP hat im Rahmen von „Basiswahlen“ ihre Kandidaten für die Parlamentswahlen am vierten März 2018 bestimmt. Dabei haben sage und schreibe 7.500 SVP-Mitglieder entschieden, wer nach Rom darf. Was für ein „Erfolg“! Das ist eine Wahlbeteiligung von rund 20 Prozent. Obwohl sich die einzelnen Kandidaten durchwegs Mühe gaben, zumindest einen Hauch von Wahlkampf zu führen, standen in diversen Wahlkreisen die Ergebnisse ohnehin schon fest. Für den Wahlkreis Pustertal/Eisacktal war Meinhard Durnwalder für den Senat einziger Kandidat, genauso wie die rührige Renate Gebhard für die Kammer. Beide zeigten sich noch am Tag der Vorwahl im Biathlonzentrum in Antholz und gingen auf Tuchfühlung zu den Leuten. Ein sympathischer Zug von den beiden, der eine reine Pflanzerei von Seiten der Partei überlagerte. Denn warum sollen Vorwahlen stattfinden, wenn ohnehin das Resultat schon feststeht? Das mögen sich auch die vielen SVP-Mitglieder gedacht haben, die den Lockrufen ihres Landesparteiobmannes nicht gefolgt sind. Es ist auch kein Wunder, dass vor allem im Osten die Wahlbeteiligung besonders mies war. Die Bürger lehnen reine Schein-Wahlen schlicht ab. 

 

Noch etwas war auffällig: Die Quoten-Watsche für die Kür des Senats-Kandidaten im Wahlkreis Burggrafenamt/Vinschgau blieb nur deshalb knapp aus, weil die Lananer ihrem Bürgermeister Harald Stauder in diesem Fall die Gefolgschaft verweigerten. Hätte er in seiner Heimatgemeinde etwas mehr Unterstützer mobilisieren können, hätte er die streitbare Julia Unterberger glatt geschlagen. Insofern war es pures Glück für die Sammelpartei, dass sie nicht in die peinliche Situation hineinmanövriert wurde, zwischen Stauder und der „Quotenfrau“ Unterberger zugunsten der holden Weiblichkeit entscheiden zu müssen. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich Frauen in der heutigen Zeit tatsächlich noch immer auf reine Quoten reduzieren lassen müssen oder ob mittlerweile nicht doch auch andere Werte zum Tragen kommen sollten. Denn diese Vorwahlen haben gezeigt, dass sich innerhalb der SVP die viel gepriesene Brüderlichkeit nicht sonderlich mit der Frauenquote verträgt. 

 

Auffällig war auch, dass überall dort, wo es eine Auswahl gab, zumindest die Anzahl der weißen Stimmen maßgeblich nach unten gedrückt wurde. Das sollte zu denken geben. Auch wenn Landesparteiobmann Philipp Achammer nicht müde wird zu betonen, dass „jede Wahl besser als gar keine Wahl“ sei. Stimmt! Aber man muss auch den Mut haben, die äußerst geringe Wahlbeteiligung ehrlich zu bewerten. Wenn den Sammelparteien die Mobilisierungskraft abhanden kommt, dann läuft etwas schief. Denn auch Nichtwähler handeln letztlich politisch. Sie haben lediglich gewählt, nicht zur Wahl zu gehen. Es sollte aber nicht so sein, dass in einer Demokratie die Fraktion der Nichtwähler die größte Partei stellt.

 

                

Reinhard Weger

 

 

 

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