Künstlerische Freigeister

  

Der rührige Sportprofessor Gert Crepaz organisierte für Elfriede und Franz Kehrer – das bekannte Künstler-Ehepaar – anlässlich ihres runden Geburtstages eine gediegene Feier im Ragenhaus. Um Danke zu sagen. Er bot mit seinem Freundeskreis alles auf, was Rang und Namen hatte. Selbst die hohe Politik war prominent vertreten. Es gibt viele Gründe, um auf die Familie Kehrer anzustoßen. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit. Denn die moderne Zivilisation ist ein Lebensmittel, Kultur hingegen ein Überlebensmittel. Oder wie es der Journalist Wolfgang Reus ausdrückte: „Natürlich ist das Volk wichtiger als der Künstler. Aber paradoxerweise wäre es ohne Künstler ein künstliches Volk.“ Das Ehepaar Kehrer hat mit seinem Wirken dafür gesorgt, dass das Volk nicht künstlich, sondern lebendig wurde. Denn beide haben in ihrem Wirken leuchtende Punkte geschaffen. Für die Gegenwart und die Zukunft. 

 

Freilich haben das manche nicht verstanden. Doch Kunst ist nicht jedermanns Sache und mitunter schwer zu vermitteln. Viele Menschen fanden die nackten Frauen-Statuen vor allem am Anfang anstößig. Ein wenig anrüchig, sexistisch, kalt und unnahbar. Komplett ungleich und nicht linear. Doch Symmetrie ist im Grunde die Kunst der Einfaltspinsel. Gefällige Kunst ist darüber hinaus täuschende Kunst. Und das war nie die Absicht der Kehrers. Und schon Wladimir Iljitsch Lenin – der russische Revolutionär – meinte seinerzeit, dass die Kunst dem Volk gehöre. So eine Aussage aus dem Munde eines intelligenten, aber verbohrten Kommunisten ist absolut aufschlussreich. Diese Aussage bringt es aber treffend auf den Punkt.  

 

Kunst ist also Leben und bestimmt das Bewusstwerden. Das wurde anlässlich der Feierstunde im Ragenhaus mehr als deutlich, als beispielsweise der Generalsekretär der Stadtgemeinde Bruneck, Alfred Valentin, ohne Umschweife verriet, dass ihm Franz Kehrer mit seinem Wirken die Augen geöffnet habe. So viel Ehrlichkeit spricht für sich und bringt die Macht der Kunst auf den Punkt. Insofern ist es Prof. Crepaz hoch anzurechnen, dass er sich die Mühe gemacht hat, mit einer Handvoll Getreuer die Feier im Ragenhaus zu organisieren. Wer Crepaz kennt, der weiß auch, dass er das meiste ohnehin selbst erledigt hat. Die Familie Kehrer hat sich die Ehrerbietung zweifellos verdient. Wenn zudem Ehre der Lohn der Tugend ist, dann ist ein echter Dank auch an Gert Crepaz an dieser Stelle angebracht. Er hat es geschafft, dass das wichtige Wirken einer Künstler-Familie wieder in den Mittelpunkt gestellt wurde. Denn der Mensch steht stets im Mittelpunkt. Das gilt auch für Künstler, die als Freigeister die Grenzen ausloten. Solche Kaliber bräuchte es noch einige mehr!           

 

                 

Reinhard Weger

 

 

 

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