Martha's Abgang

  

Martha Stocker wird bei den kommenden Landtagswahlen im Herbst 2018 nicht mehr antreten. Sie ließ die Bombe am vergangenen Wochenende medienwirksam platzen. Die meisten ihrer Parteikollegen rechneten mit einer Wiederkandidatur. Sie zog jedoch die Notbremse und hielt es mit dem Ausspruch, dass in der Politik der richtige Zeitpunkt für den Ausstieg mit Bedacht gewählt werden müsse. Die politischen Gräber sind voll von Leuten, die diesen richtigen Zeitpunkt nicht erkannt haben. Martha Stocker hat mit ihrer Vorgangsweise sowohl ihre Parteikollegen als auch die Opposition regelrecht überrumpelt. Zum Teil sogar geschockt. 

 

Wer sie aber kennt, der weiß, dass sie kaum etwas unbeabsichtigt tut. Ihre politische Leistungsbilanz kann sich zudem sehen lassen. Über 40 Jahre lang wirkte sie als fleißige Parteisoldatin ehrenamtlich für die Partei in den unterschiedlichsten Positionen. Wo man sie brauchte, ließ sie sich – mal mehr, als weniger – bereitwillig einsetzen. Seit 1998 sitzt sie für die SVP im Landtag und Regionalrat. Sie wurde auch mit Regierungsverantwortung betraut. Zuerst im Regionalrat und seit 2014 in der Landesregierung, wo sie das ungeliebte Gesundheitsressort übernahm. Denn mit diesen Agenden kann man nur verlieren. Egal wie gut man ist. Das wusste sie und hat es – ganz Parteisoldatin – dennoch übernommen. 

 

Martha Stocker sagte selbst, dass ihr „Gerechtigkeit und Begegnung auf Augenhöhe“ stets die wichtigsten Leitmotive ihres politischen Handelns waren. Sie hat viel Konkretes für die Menschen erreicht. So gehen das regionale Familienpaket, die Zusatzvorsorge über Pensplan, das Gleichstellungsgesetz, das neue Landesgesetz zur Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung, der Landesgesundheitsplan und die Neuausrichtung des Gesundheitsdienstes auf ihre Kappe. Sie deckte nach dem Abgang der rechten SVP-Recken auch das patriotische Lager recht gut ab. Kurzum: Der Abgang von Martha Stocker reißt eine große Lücke auf. Eine schmerzliche für viele, eine befreiende für andere.

 

Viele dieser „Leidgenossen“ haben Stocker anlässlich ihrer Gesundheitsreform noch alle Plagen der Welt an den Hals gehetzt. Fakt ist, dass die Sammelpartei ihre brave und folgsame Soldatin im Dauerbeschuss der Gesundheitsreform allein vorgeschickt und sie – als die massiven Gegenangriffe kamen – nicht in den Schützengraben zurückgeholt hat. Das war strategisch und noch viel mehr kommunikationspolitisch einfach blöd. Denn man kann doch nicht den Leuten in der Peripherie etwas so Wertvolles wie ein Spital nehmen um es den Boznern in den Rachen zu werfen.  
Dennoch ist der plötzliche, aber sicherlich wohlüberlegte Abgang von Martha Stocker das absolut Beste, das sie in ihrer Situation tun konnte. Sie hat damit Größe, Anstand und Würde bewiesen. Das sind Attribute, die nicht mehr viele haben. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht die Letzte ihrer Art war. Denn dann hätte nicht nur die SVP ein Problem.        

 

                        

Reinhard Weger

 

 

 

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