Heimat

  

Am vergangenen Wochenende wurde in Gsies ein großes Heimatfernentreffen organisiert. Rund 300 der knapp 700 „Gsieser in der Welt“ waren mit dabei. Es war eine große, bunte Festgemeinschaft. Den weitesten Weg nahm dabei Otto Hintner auf sich, der aus einem rund 1.100 km entfernten Örtchen oberhalb von Hamburg anreiste. Er wurde – stellvertretend für alle – von Bürgermeister Kurti Taschler gewürdigt. Als Zeichen der Anerkennung überreicht ihm der Erste Bürger den ersten Stick mit dem Film über das Gsiesertal. Schön verpackt und mit dankenden Worten garniert. 

 

Denn die heimatliche Verbundenheit muss nicht nur gefördert, sondern vor allem gewürdigt werden. Sie ist der Kitt, der alles zusammenhält. Denn Heimat ist mehr als ein inhaltsleerer Begriff. Der deutsche Schriftsteller und Journalist Kurt Tucholski, der unter diversen Pseudonymen viele gescheite Sachen schrieb, wagte sogar den Ausspruch: „Freundschaft, das ist wie Heimat!“. Sein Kollege Peter Keller differenzierte allerdings diese Aussage: „Heimat ist nicht Raum, Heimat ist nicht Freundschaft, Heimat ist nicht Liebe – Heimat ist Friede!“ Eine starke Aussage, die vieles auf den Punkt bringt. Denn ohne Frieden und Auskommen nützt uns die schönste heimatliche Scholle nichts. 

 

Das kann man auch aus den Worten von KVW-Landeschef Werner Steiner ableiten, der Heimat als eine Art Überbegriff für jenen Ort bezeichnete, „an dem man sich wohlfühlt“. Im Grunde ganz simpel und dennoch mit  geistigem Tiefgang ausgestattet. Denn an Orten, wo Streit, Zank und Krieg an der Tagesordnung stehen, fühlen sich nur Kriegstreiber und verbale Sadomasochisten wohl. Leider gibt es derzeit aber haufenweise Kriegstreiber, die mit ihren Aussagen oft großes Unheil anrichten. Es bräuchte wieder etwas mehr Vernunft und die Besinnung auf die wahren Werte. Dann kann Heimat wirklich das sein, was es dauerhaft sein sollte: Ein Ort zum Wohlfühlen! 

 

Dazu zählt der Erhalt der Schöpfung, also auch der Natur. Gar manche „Gsieser in der Welt“ waren über die rasante Entwicklung „ihres“ Tales überrascht. Denn Gsies hat sich in den letzten Jahrzehnten maßgeblich verändert. Den Gsiesern ist es jedoch gelungen, viele Elemente der einstigen ruralen Gesellschaft zu bewahren. Das Wachstum der Wirtschaft wurde nicht durch einen übermäßigen Raubbau an der Natur herbeigeführt – auch wenn Wunden geschlagen wurden. 

Es gilt daher, auch in dieser Hinsicht Maß und Vernunft walten zu lassen. Denn schon Sokrates wusste, dass nur der objektiv, vernünftig denkende Mensch das Maß der Dinge sein kann. Das gilt übrigens auch heute noch! Selbst für einen so belasteten Begriff wie „Heimat“.

       

                         

Reinhard Weger

 

 

 

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