Frohe Ostern

  

Der österliche Friede wird derzeit arg gestört. In Paris brennt mit der Notre Dame das Wahrzeichen der Stadt, auf der ganzen Welt flammen wieder Kriege auf, beim OBI in Bruneck geilen sich offenbar ein paar Lümmel am Leid der Menschen auf und in der Südtiroler Parteienlandschaft herrscht wieder einmal fröhliche Zwietracht. Einige „Großkopfete“ meinen immer noch, der Welt und deren Bewohnern ihren Stempel und Willen aufzudrücken. Wir brauchen wieder etwas mehr Beständigkeit, ein Umdenken und wesentlich mehr Rückgrat. Das ist aber nur durch Werte zu erreichen. Denn nur die bringen echten Wohlstand. Im Geiste genauso wie in monetärer Hinsicht. Werte sind darüber hinaus verbindlich, weil sie verbinden, wie schon der Kapuziner-Bruder Paulus Terwitte meinte. 

 

In seinem Osterbrief 2019 stellt Bischof Ivo Muser folgerichtig die Frage: „Warum gerade heute, in dieser Welt voller Widersprüche, ist die Kraft der Auferstehung nötiger denn je?“ Seine Antwort lautet: „Damit wir nicht die Sünde und ihre Folgen verharmlosen; damit wir nicht schweigen und zuschauen, wenn verbale, psychische und physische Gewalt angewendet wird und wenn Zerstörung des menschlichen Lebens und der Schöpfung geschieht; damit wir nicht weiter meinen, mit Worten beleidigen, ausgrenzen oder gar töten zu müssen; damit wir in jedem Du das Ich sehen können; damit wir uns nicht gegeneinander, sondern füreinander entscheiden; damit uns das Elend anderer nicht gleichgültig lässt; damit wir bereit sind, unseren Lebensstil zu überdenken und zu teilen.” Wahre Worte und passend für die österliche Besinnung. 

 

Ostern ist nämlich so etwas wie eine Wundertüte. Da ist für jeden etwas dabei. Das christliche Hochfest, ein Fest der Familie, ein Fest der Gemeinsamkeiten, der Hoffnungen und auch der Märchen. Denn es braucht schon eine ordentliche Portion Phantasie, den Osterhasen als österliches Symbol auf Trab zu halten und bunt bemalte Eier zu verstecken. Aber den Kindern gefällt’s und den Erwachsenen ebenso. Dass hinter dem Osterhasen ein erfolgreiches Geschäftsmodell steckt, ist auch nicht verwerflich. Dem wiffen Kerl, der das erfunden hat, kann man getrost ein paar umfangreiche Kapitel in einem Marketing-Lehrbuch widmen. 

 

Fakt ist aber auch, dass wir in Zeiten leben, die ernsthafte Reflexionen notwendig machen. Denn das Leben ist wesentlich zügiger geworden und die Fähigkeit, ernsthaft miteinander zu kommunizieren, nimmt im Umkehrschluss ständig ab. Das ist unter anderem den modernen technischen Hilfsmitteln geschuldet. Denn heute unterhalten sich selbst die Oberschüler am Pausenhof lieber mit ihren virtuellen „Chat-Freunden“ als mit den lebendigen Klassenkameraden neben sich. Doch wer sich nicht mit den Menschen direkt unterhält, dem werden auf lange Sicht die Sinne eingetrübt. Schon der deutsche Philosoph Immanuel Kant meinte: „Die Sinne betrügen nicht, denn sie urteilen nicht, sondern der Betrug ist ein Werk der Reflexion.“ 
Denken wir doch einmal darüber nach. Dann bekommt Ostern wieder den Wert, den es haben sollte. In diesem Sinne: Von Herzen frohe Ostern im Namen des gesamten Teams der Pustertaler Zeitung und von Radio Holiday!        

 

                         

Reinhard Weger

 

 

 

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