Tierwohl

  

Immer wieder werden wir mit Meldungen über die Missachtung des Tierwohles konfrontiert. Der massenhafte Ausbruch der Covid-19-Pandemie bei der deutschen Schlachtkette „Tönnies“ hat auch die zum Teil erschreckenden Zustände in den großen Konzern-Schlachthäusern in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Gerade in Bezug auf Tönnies ist zu sagen, dass in vielen Südtiroler Speckseiten genau dieses Fleisch steckt. Wir genießen zu gerne den „echten Südtiroler Markenspeck“. Wen kümmert es da, dass das dazugehörige Fleisch oft von außen herbeigekarrt wird. So viele „Fockn“ wie wir für den ganzen Speck bräuchten, gibt es in unserem schönen Land schlicht nicht. Allein zwischen Jänner und Mai 2020 wurden exakt 175.788 Schweineschlegel vom Tönnies-Hauptschlachthof von Deutschland nach Südtirol gekarrt. 

 

Damit sind wir schon bei einem weiteren Hauptproblem: Es geht in letzter Konsequenz immer um den besten, also billigsten, Preis. Dafür werden täglich Abertausende von lebendigen Schlachttieren oft unter erbärmlichen Bedingungen über weite Strecken transportiert. Dass diese Tiere nicht selten große Qualen erleiden, kümmert wenige. Wie aus einer Anfrage von SVP-Senatorin Julia Unterberger an die römische Regierung hervorgeht, werden jedes Jahr „viele Millionen lebender Tiere innerhalb der Mitgliedstaaten der Europäischen Union transportiert – und auch in andere Länder, wo es keine Tierschutzgesetze gibt und die diesbezüglichen EU-Normen fortwährend verletzt werden”. Besonders brutal gehen die Metzger in Nordafrika und im Mittleren Osten vor. Dort werden die Tiere gemäß speziellen Riten oft nach einem langen Todeskampf getötet. 

 

Zwar gibt es klare Tierschutzmaßnahmen und auch die Vorgabe, dass Tiere sowohl bei der Haltung als auch beim Transport keine Misshandlungen, keine Quälereien und keine Schmerzen erleiden dürfen. Der Europäische Gerichtshof hat darüber hinaus bekräftigt, dass Tiere nur in solche Länder transportiert werden dürfen, welche diese EU-Standards auch einhalten. Leider sieht die Realität anders aus. Die Exportdaten zeigen auch, dass es sich hier um keine Randerscheinung handelt. Das gilt auch für Italien. Umso erschreckender ist der Umstand, dass es auch Fälle von Tiertransporten gibt, die vom offiziellen Bestimmungsland illegal weiter in jene Länder gehen, wo die Tiere dann wiederum auf brutale Weise umgebracht werden.

 

Diese Fälle hängen alle zusammen. Man kann es also drehen und wenden wie man will: Wir müssen lernen, die Tiere als Lebe- und Einzelwesen zu sehen. Wir müssen sie also mit verantwortungsbewusstem Respekt und einer gesunden Portion Empathie behandeln. Auch wenn wir sie dann essen. Ein solches Verhalten ist allerdings nur möglich, wenn wir auch bereit sind, für gutes Qualitätsfleisch von gut behandelten Tieren einen höheren Preis zu zahlen. Qualität hat eben ihren Preis – Quantität in negativer Hinsicht aber auch! Insofern ist der Konsument gefordert – genauso wie die Gesellschaft und die Politik. 

 

       

Reinhard Weger

 

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