Die nackte Wahrheit

 

  

Seit über einem Jahr plagen wir uns mit dem Corona-Virus herum. Mit harten Einschnitten, Entbehrungen und gestutzten Grundrechten. Die Menschen sehnen sich aber wieder nach Normalität. Das ist verständlich und absolut nachvollziehbar. Allerdings ist die Seuche derzeit nicht unter Kontrolle. Krankenhäuser und das gesamte Gesundheitspersonal sind über dem Limit. Da gibt es auch nichts zu beschönigen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Gerade die klare Sprache fehlte bislang in der Kommunikation rund um die Covid-19-Pandemie. Und ohne eine klare Kommunikation können die Menschen nicht überzeugt und in der Folge auch nicht aktiv mitgenommen werden. Ein echter Teufelskreis!  

 

Wir alle empfinden die Gesundheit als höchstes Gut, als unseren größten Reichtum. Es ist daher naheliegend, dass die Menschen auf unsichere und unklare Informationen zu diesem sensiblen Thema äußerst anfällig reagieren. Ein Beispiel? Als Informationen rund um die Gesundheitsversorgung im Land und die Zahl von 100 bespielbaren Intensivbetten an den Krankenhäusern die Runde machten, was dann von Ärzten widerlegt wurde, kannte sich endgültig kein Mensch mehr aus. Die Politik verlor die Deutungshoheit und büßte Vertrauen ein. Denn eines sind die Betten – etwas anderes aber das dafür benötige Personal. Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten.

 

Für das Pustertal hat die PZ die aktuelle Situation nachgezeichnet. Der mutige Intensivmediziner und Notarzt Thomas Baur hat dabei das bestätigt, was ohnehin die Spatzen von den Dächern pfeifen. Im Pustertal werden  ausschließlich im Brunecker Krankenhaus Covid-Intensivpatienten versorgt. Dort sind die Intensivbetten voll belegt. Da die Versorgung von Covid-Intensivpatienten in der Regel lange dauert und sehr personalintensiv ist, sind die rührigen Krankenhaus-Bediensteten am Limit. Eine klare Aussage, welche die Alarmglocken in den höchsten Tönen schrillen lässt und die man den Menschen aber auch zumuten kann. Denn sie sollen – ja müssen sogar – wissen, was Sache ist. Das hat mit Panikmache nichts zu tun, sondern ist einzig darauf ausgelegt, die Menschen proaktiv mitzunehmen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie in der Seuchenbekämpfung ehrliche und transparente Informationen zur rechten Zeit erhalten. Gerade da lief in den vergangenen 12 Monaten nicht alles rund.

 

Wir brauchen die Menschen, wenn wir diese Seuche besiegen wollen. Ein Instrument sind die Massenimpfungen, die auch in Südtirol anzurollen beginnen. Und auch da gilt: Korrekte Informationen und Wissen beseitigen Ängste und schaffen Vertrauen. Zwei unabdingbare Werte, die mehr denn je gebraucht werden. Zwar sind in einer Konsumgesellschaft ehrliche Informationen leider oft Mangelware, aber gerade deshalb ist es in dieser Krise umso wichtiger, die Menschen klar und offensiv aufzuklären. Dann werden sie auch mitmachen. Das wiederum schafft die Basis dafür, bald wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Das ist die positive Seite der nackten Wahrheit!

  

     

Ihr Reinhard Weger

 

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