Der Handel im Wandel

 

  

Einkaufen macht Spaß. Oder soll es zumindest. Doch das ungetrübte Einkaufserlebnis kann nur funktionieren, wenn auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinter den Ladentheken gut gelaunt sind. Und natürlich die Chefin und der Chef selbst. Die gute Laune wiederum hängt davon ab, wie die Geschäfte laufen. Der stationäre Handel hat gerade in der akuten Phase der Pandemie stark gelitten, während vor allem der Online-Handel enorm zugenommen hat. Die Menschen haben gemerkt, dass das Einkaufen auch ganz bequem von zu Hause aus möglich ist und der Spediteur das gute Stück innerhalb weniger Tage vor die Haustür legt. Damit hat sich ein Ungleichgewicht – auch steuerlicher und wirtschaftlicher Natur – eingestellt, das zu Lasten der stationären Händler und Geschäftsinhaber geht. Es ist also höchst an der Zeit, die Steuerschraube auch für die großen Online-Riesen international anzuziehen. 

 

Ein weiterer Knackpunkt ergibt sich durch die Öffnungszeiten der Geschäfte an den Sonn- und Feiertagen. Ein Thema, das immer noch polarisiert und die Akteure selbst vor schwierigen Aufgaben stellt. Denn einerseits wollen die Kundinnen und Kunden uneingeschränkt einkaufen und auch der Online-Handel macht dem traditionellen Handel zu schaffen. Es hat darüber hinaus in den letzten Jahren eine massive Verschiebung hin zum Onlinehandel gegeben. Dieser Trend wurde durch die Corona-Seuche noch verstärkt. Das Ausbluten der urbanen Räume und der Ortskerne in der Peripherie ist auch bei uns mittlerweile zu einem großen Problem geworden. Damit stellt sich die Frage, wie dieser Teufelskreis durchbrochen werden kann. Viele Menschen sehen die Lösung darin, flexiblere Öffnungszeiten bei den Geschäften zuzulassen. Dazu zählt auch das uneingeschränkte Einkaufsvergnügen – am besten Tag und Nacht sowie das ganze Jahr über. Sonn- und Feiertage selbstredend mit eingeschlossen. 

 

Doch auf der anderen Seite gibt es auch viele Menschen, die durch die Ausweitung der Öffnungszeiten ihren Arbeitsablauf auf Kosten der eigenen Freizeit und der Familie umstellen müssten. Eine kurze Befragung von Brunecker Geschäftsleuten hat ergeben, dass zwar eine liberale Grundhaltung vorherrscht, aber die Sonn- und Feiertagsöffnungen nicht ausgeweitet werden sollten. Das ist ein löblicher Ansatz, der darauf schließen lässt, dass nicht immer die Brieftasche die oberste
Maxime ist. Allerdings gilt es, die Dorfzentren, die Innenstädte und die urbanen Zonen wieder attraktiver zu machen. Das heißt im Klartext, dass nicht ein „kettengesteuertes Hottelgeschäft“ nach dem anderen und „chinesische Ramschware“ im Vordergrund stehen sollen, sondern dank cleverer und moderner urbaner Konzepte Entwicklung gezielt gefördert wird. Denn wenn sich die Menschen wohl fühlen, dann werden auch die Zentren wieder attraktiver. Und davon profitieren wir dann alle und vor allem unmittelbar.

 

      

Ihr Reinhard Weger

 

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