Unsere Senioren

  

Der Sprengstoff ist längst positioniert und die Lunte brennt. Denn die von Altersarmut betroffenen Rentner werden rasant steigen. Viele ältere Mitmenschen sind nämlich im Niedriglohnsektor beschäftigt und zahlen ergo nur kleinere Summen in die Rentenkasse ein. Wegen der vergleichsweise geringen Löhne bleibt auch wenig Spielraum für die private Vorsorge, die gebetsmühlenartig in vielen Sonntagsreden gepredigt wird. Verschiedene Rentnervertreter haben erst kürzlich im Hohen Haus in Bozen ihren Unmut Luft gemacht. Das ist bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, dass die Rentner eher ruhige Zeitgenossen sind.  

 

Zu dieser Sorte zählt die Präsidentin des Südtiroler Seniorengemeinderates, die rührige Cristina Gianotti, allerdings weniger. Sie legt den Finger immer wieder in die Wunde, zeigt Missstände auf und fordert Lösungsvorschläge ein. Das letzte Mal tat sie dies bei der Präsentation des Berichtes des Brunecker Seniorenbeirates im Brunecker Gemeinderat. Die Cristina ist aber eine, die gerne viel redet. Aber unheimlich viel zu sagen hat. Wichtige Dinge! Das Problem ist nur, dass die Senioren nicht das Gehör finden, das ihnen zusteht. Ein Senioren-Bericht gehört auch nicht einfach zwischen verschiedene große Themenschwerpunkte einer ohnehin schon überfrachteten Gemeinderatssitzung gepresst, sondern sollte – wenn schon – ordentlich behandelt werden. Zweifellos eine Unachtsamkeit, die aber als Geringschätzung unserer älteren Mitmenschen gegenüber interpretiert werden kann. 

 

Was aber noch mehr beunruhigen muss, ist die Tatsache, dass es zur Lösung der größten Herausforderungen für unsere Senioren derzeit keine brauchbaren Gegenmittel gibt. Die politischen Vertreter haben noch immer keine überzeugenden Rezepte anzubieten, um beispielsweise die Altersarmut, die fehlenden Pflegekräfte, die Gesundheitsversorgung und die problematische Wohnsituation für ältere Menschen einer nachhaltigen Lösung zuzuführen. Denn nur so können die Senioren ihren Lebensabend in Würde verbringen. Sie hätten es sich auch redlich verdient! Für ein von Wohlstand geprägtes Land müsste es eigentlich selbstverständlich sein, gerade diese Probleme mit Nachdruck anzugehen. Bis dato tut sich in dieser Hinsicht aber viel zu wenig. 

 

Die Herausforderungen werden jedenfalls nicht weniger. Ganz im Gegenteil! Die Verschiebung in der Alterspyramide bringt mit sich, dass die kinderreichen Nachkriegsgenerationen das Problem sogar noch verschärfen werden. Das begleitete Wohnen, wie es Cristina Gianotti schon lange fordert, wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Man muss jedoch endlich den ersten Schritt wagen. Denn jedes Leben ist endlich und die Senioren sind im Spätherbst oder gar schon im Winter ihres Lebenszyklus. Es braucht einen politischen Kraftakt. Dass alte Menschen ihre letzten Lebensjahre und -monate nicht in Würde verbringen dürfen, wäre für ein Land wie Südtirol wirklich zum Schämen. Und Scham ist des Armen Unglück – in jeder Hinsicht!

 

                    

Reinhard Weger

 

 

 

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