Ein Stück Normalität

  

Die Südtiroler Landtagswahlen 2018 sind geschlagen. Das Wahlergebnis hat gewaltige Veränderungen im Hohen Haus in Bozen gebracht. Das Team Köllensperger hat mit sechs Mandate einen unerwarteten Erfolg eingefahren. Im Pustertal wurde diese erst vor drei Monaten gegründete Partei sogar von über 20 Prozent der Wähler angekreuzt. Das ist mehr, als sich der politisch geschickt taktierende Paul Köllensperger erwarten konnte. Dieser Erfolg ist aber nicht allein auf die Paul’sche politische Jungfräulichkeit zurückzuführen, sondern auf ausgewiesene Teamarbeit. Obwohl die Köllensperger-Liste nicht perfekt war, waren doch ausreichend Vertreter dabei, die für eine breite Wählerschicht wählbar waren. So konnte diese Liste vor allem im ländlichen Raum und in der Peripherie punkten. 

 

Der zweite große Sieger heißt Matteo Salvini von der Lega. Der Wirbelwind mit dem losen Mundwerk schickt sich an, die gesamte politische Landschaft im Stiefelstaat umzukrempeln. Die Lega ist in Italien mittlerweile zur stärksten Partei avanciert und wird wohl bald auch in Bozen am Gabentisch der Macht Platz nehmen. Die Weichen dafür sind längst gestellt. Denn die Grünen sind Arno Kompatscher zu grün und unbequem und dann müsste er noch einen weiteren Italiener in die Regierung holen, den die Grünen nicht beisteuern können. Das wäre dann eine Drei-Parteien-Regierung. Für eine SVP, die seit Jahrzehnten gewohnt war, allein nach Belieben zu herrschen, ist das eine Horrorvorstellung. Da geht man wohl lieber den Pakt mit dem Teufel (Salvini) ein, der für so manchen SVP-Exponenten dann so teufelhaft gar nicht ist. Zumal die Lega mit vier Mandataren – darunter auch eine Frau – für ein Mehr an Gestaltungsfreiraum bei der Erstellung der Regierungsmannschaft sorgen könnte. 

 

Die SVP ist – so lautet zumindest die offizielle Botschaft – mit dem Wahlergebnis durchwegs zufrieden. Klar: Es hätte noch weitaus schlimmer kommen können. Die Sammelpartei hat ihr primäres Ziel, über die 40-Prozent-Marke zu kommen, gemeistert und hat zumindest in den ländlichen Gebieten sogar Zuwächse einfahren können. Das gilt zumindest für einen Großteil des Pustertales. Da kann so mancher politische Hosenträger schon in Versuchung geraten, eine Sekt-Flasche zu köpfen. Doch der Zweckoptimismus ist fehl am Platz und das Schönreden von Wahlergebnissen letztlich kontraproduktiv. Denn die Rechnung präsentiert am Ende immer noch der Wähler. Die neu entdeckte Lust, auch in Südtirol ein Stück politische Normalität herbeizuführen, ist mit diesem Wahlgang nämlich noch lange nicht erloschen. 

 

Insofern wäre es sinnvoll, in Demut innezuhalten, die verlorenen Stimmen anzuerkennen und die Schwachstellen genau zu analysierten. Luis Durnwalder hat Recht, wenn er aufzeigt, dass „seine“ Partei zwar größtenteils gut gearbeitet, aber auch Fehler gemacht habe. Dazu zählt unter anderem, dass die SVP wenige Monate vor der Wahl den Wert der Heimat wiederentdeckt und einen Schützenfunktionär als Kandidat aus dem Zylinder gezaubert hat. Da war nicht nur das Stimmenergebnis peinlich! 
Insofern gilt: Der Wähler hat immer Recht. Nur manchmal hat er sogar noch ein wenig mehr Recht!  

 

                     

Reinhard Weger

 

 

 

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