Wertvolle Ehre

  

Die jüngsten Unwetter haben einmal mehr gezeigt, wie wertvoll das Südtiroler Zivilschutzwesen ist. Dieses ist auf eine Vielzahl von Blaulichtorganisationen aufgebaut, wobei im konkreten Fall in erster Linie die Feuerwehren gefordert waren. Die Unwetterbilanz der Südtiroler Feuerwehrleute ist denn auch beeindruckend. So standen allein beim Unwetterereignis vom 28.10.2018 bis zum 1.11.2018 exakt 234 der insgesamt 306 freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Dazu die Berufsfeuerwehr von Bozen, die zuständigen Landesstellen und zahlreiche Unternehmen, die vor allem mit schwerem Gerät anrückten. Dabei wurden mehr als 1.000 verschiedene Einsätze abgearbeitet. 

 

An diesem konkreten Fall zeigte sich einmal mehr, dass das Ehrenamt eine großartige Stütze unserer Gesellschaft ist. Man braucht sich nur den Stundensatz für Arbeitskraft und Geräte- sowie Fahrzeugeinsatz ausrechnen. Das wäre schlicht unbezahlbar! Fakt ist: Ohne die vielen Menschen, die sich in unzähligen Bereichen unentgeltlich engagieren, wäre ein funktionierendes Gemeinwesen überhaupt nicht denkbar. Allein der ständige Dienst der vielen Feuerwehrleute würde jeden öffentlichen Haushalt sprengen. Das Ehrenamt trägt seinen Namen nicht umsonst. Denn es gibt für ehrenamtliche Tätigkeiten weder Geld noch persönliche Vorteile. Im Gegenteil: Oft sind mit der ehrenamtlichen Tätigkeit viel Arbeit, viel Engagement und viel persönliche Zeit damit verbunden. Der einzige Lohn dafür: Ehre, vielleicht Anerkennung oder einfach nur Respekt. 

 

Gerade die Zeit ist aber ein kostbares Gut geworden. Denn die Gesellschaft ändert sich und die Anforderungen an die Ehrenamtlichen werden immer mehr. Darüber hinaus ist eine der fiesen Nebenwirkungen, dass jede Uhr auch zur Stoppuhr wird. Zeit wird mittlerweile vor allem monetär bewertet. Zeit wird also „gespart“, „investiert“ oder im Umkehrschluss der Mangel an Zeit ständig beklagt. So etwas kann nicht ohne Folgen bleiben. Denn für viele ist die Freizeit mittlerweile zu einer wertvollen Ressource geworden, über deren Verteilung mit Argusaugen gewacht wird. Das impliziert, dass sich immer mehr Menschen vom Ehrenamt abwenden. Mit der Ausrede, zu „wenig Zeit“ zu haben oder „ohnehin nichts ändern“ zu können. Beides ist falsch und gesellschaftspolitisch bedenklich. Viele Bürger, die lieber nur noch konsumieren, anstatt sich zu engagieren, sollten über die langfristigen Folgen nachdenken. 

 

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum sich immer mehr Menschen vom Ehrenamt abwenden. Im Alltag fühlen sich nämlich viele Helfer und Ehrenamtliche zunehmend von der Bürokratie überfordert. Deshalb ist es ein echtes Alarmsignal, wenn Ehrenamtliche die ausufernde Bürokratie immer stärker kritisieren. Diese Menschen fühlen sich nicht mehr geehrt, sondern vielmehr ausgenutzt, im Regen stehen gelassen oder gar bestraft. 
Da braucht es dringend ein Umdenken. Denn ohne Ehrenamtliche geht es nicht. Und die nächste Unwetterfront kommt bestimmt! 

 

                      

Reinhard Weger

 

 

 

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