Miteinander am Hof

  

Die Pustertaler Bäuerinnen trafen sich vor kurzem zur traditionellen Bezirksversammlung. Dort zogen sie Bilanz über ein ereignisreiches Jahr. Denn es ist Tradition, dass sich zuerst die Frauen und dann – zu St. Nikolaus – die Männer treffen. Die Bezirksversammlung hat hervorgebracht, dass die Südtiroler Bäuerinnen eine Macht sind. Landesweit zählen sie um die 16.000 Mitglieder, welche in 154 Ortsgruppen, verteilt auf sechs Bezirke, organisiert sind. Damit ist die im Jahr 1981 gegründete Unterorganisation des Südtiroler Bauernbundes wohl die größte Frauenorganisation auf Provinzebene. 

 

Der Stellenwert der Bäuerinnen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich verändert. Sie sind noch wichtiger geworden. Denn eines ist schon klar: Wenn es auf den Berghöfen keine Frauen mehr gibt, dann wird über kurz oder lang das Pflänzchen verwelken. Gibt es gar einen Flächenbrand, dann sterben ganze Gebiete ab. Eine Gefahr, die nicht von ungefähr kommt und die der frisch gewählte Provinz- und Regionalrat Manfred Vallazza bereits ausgemacht hat. Als (nun freigestellter) Bereichsleiter des Bauernbundes kennt er seine Schäfchen nur zu gut. 

 

Vallazza sagt dann auch in einer erfrischenden Klarheit, dass „Höfe ohne Frauen zum Tode verurteilt“ seien. Einfach ausgedrückt: Keine Frau, keine Kinder, keine Erben – das Ende! Die biologische Folge liegt eigentlich auf der Hand. Im Zuge seiner Wahlkampftour habe er auch Klagen jener Bauern gehört, die keine Frauen auf ihren steilen Berghöfen zu halten vermochten. Diese Bauern „hobm mir brutal Ongst ums Weiterlebm der Höfe gmocht“, meinte Vallazza. Es ist wichtig, dass man sich dieser Sache konkret annimmt, damit jungen Frauen das Leben auf den Berghöfen schmackhafter gemacht wird. Da soll auch ruhig ordentlich Geld in die Hand genommen werden. Denn das ist gut investiertes Geld und kommt letztlich der gesamten Gesellschaft zugute.   

 

Doch die hohe Politik allein wird das nicht stemmen können. Es braucht auch ein wenig Einsicht von Seiten der Bauersleute selbst. Denn es ist eine Tatsache, dass oft die Frauen auf den Höfen mit einer untergeordneten Rolle vorliebnehmen mussten. Wie eine Tagung im Trentino aber ergeben hat, sind viele von ihnen mittlerweile sogar in erster Person für die Führung des landwirtschaftlichen Betriebes verantwortlich. Sie sind aber in jedem Fall die guten Seelen der Höfe. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die Männer oft einem Nebenverdienst nachgehen müssen, um das nötige Kleingeld für den Erhalt des Berghofes auftreiben zu können. In der Zwischenzeit schauen die Frauen nach dem Rechten. 

 

Hand aufs Herz: Die vielschichtigen Leistungen der Frauen auf den Höfen müssen daher mehr anerkannt werden. Denn die Bäuerinnen von heute lassen sich nicht mehr zu nützlichen Anhängseln der bäuerlich-männlichen Selbstverständlichkeit degradieren, sondern sind aktiv, selbstbestimmt und wollen mitreden. Bäuerin und Bauer bilden aber nur dann ein gutes Gespann, wenn beide gleich stark in eine Richtung ziehen. Dann gibt es auch die besten Resultate. Ganz im Sinne: Scheint der Mann, so glänzt die Frau! 

 

 

                      

Reinhard Weger

 

 

 

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