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Pustertaler Zeitung – Die Informationsquelle für das ganze Tal

Die aktuelle Ausgabe der PZ‑Pustertaler Zeitung!

Ausgabe 2026/22
Veröffentlicht: 4. November 2026

Aktuelle Themen:

  • Eröffnung des Kanins- und Raderbauerhofes in St. Georgen:
    Ein Projekt mit Leuchtturmfunktion
  • Kinder in Not: Sachspenden für Rumänien dringend gesucht
  • Peter Holzknecht: Er ist da, wenn Menschen Beistand brauchen
  • Bilanzen und Romanzen von Karl-Theo Stammer:
    Eine literarische Liebeserklärung an Bruneck
  • Neues Bildungszentrum in Rein:
    Ein schmuckes Haus für das ganze Dorf und Tal

Kommentar _ Ausg. 22–2026

Gemeinsam statt einsam

 

Ein neues Zuhause für ältere Menschen, Räume für Begegnungen und Angebote für die Dorfgemeinschaft: Mit dem Senioren- und Sozialzentrum Kanins/Raderbauer ist in St. Georgen ein tolles Projekt – ein Vorzeigeprojekt – verwirklicht worden. Nach einer langen Planungs- und Entwicklungsphase wurden die beiden historischen Höfe neben der Kirche saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Das Ergebnis ist ein Modell, das angesichts der demografischen Entwicklung auch für andere Orte durchwegs interessant sein könnte.

 

Die Frage, wie Menschen im Alter wohnen und leben möchten, wird in den kommenden Jahren nämlich weiter an Bedeutung gewinnen. Viele wollen möglichst lange selbstständig bleiben, in ihrer vertrauten Umgebung wohnen und den Kontakt zu Familie, Freunden und Nachbarn aufrechterhalten. Gleichzeitig können alltägliche Aufgaben aber zunehmend schwieriger werden. Nicht jeder benötigt jedoch gleich einen Platz in einem Wohn- und Pflegeheim. Das wäre auch finanziell kaum zu stemmen. Zwischen der eigenen Wohnung und einer stationären Betreuung braucht es daher unterschiedliche Angebote, die auf individuelle Lebenssituationen eingehen. Genau hier setzt das Konzept des Kanins- und Raderbauerhofes an.

 

Zehn Wohnungen für Menschen über 65 Jahre bilden den Kern des neuen Zentrums. Sie ermöglichen ein eigenständiges Leben in barrierefreien Räumlichkeiten. Bei Bedarf können die Bewohner Unterstützung in Anspruch nehmen. Ein Notrufsystem und die Betreuung durch das Wohn- und Pflegeheim Mittleres Pustertal sollen zusätzliche Sicherheit bieten. Damit entsteht eine Wohnform, die Selbstständigkeit und Begleitung miteinander verbindet, ohne den Bewohnern ihre Eigenständigkeit zu nehmen. Acht der zehn Wohnungen waren zum Zeitpunkt der Eröffnung bereits vergeben.

 

Bemerkenswert ist aber nicht nur das Wohnangebot, sondern auch die Einbindung in das Dorfleben. Im Raderbauer sind Gemeinschaftsräume, eine Küche und ein geplanter Mittagstisch vorgesehen. Arztpraxen, ein Museumsraum und weitere Einrichtungen ergänzen das Angebot. Die Höfe sollen damit nicht zu einer abgeschlossenen Wohnanlage werden, sondern ein offener Ort für unterschiedliche Generationen und Interessen sein. Gerade diese Verbindung könnte entscheidend dafür sein, ob das Zentrum seinen Anspruch auch dauerhaft erfüllt. Denn Einsamkeit lässt sich nicht allein durch eine passende Wohnung verhindern. Es braucht Gelegenheiten zur Begegnung und Menschen, die diese auch nutzen.

 

Die Investition von knapp sechs Millionen Euro war erheblich, doch sie schafft nicht nur Wohnraum, sondern auch eine Infrastruktur, die verschiedene Bedürfnisse unter einem Dach zusammenführt. Das Projekt in St. Georgen zeigt, dass es neben Pflegeheimen und dem Verbleib in den eigenen vier Wänden weitere Möglichkeiten braucht. Die neue Struktur ist ein gutes Beispiel dafür. Ältere Menschen sollen nicht erst dann Unterstützung erhalten, wenn ein selbstständiges Leben kaum mehr machbar ist. Sie sollen möglichst lange dort leben können, wo sie zu Hause sind bzw. sich zu Hause fühlen.

 

 

Ihr Reinhard Weger

PZ-Aktuell – News

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