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Die aktuelle Ausgabe der PZ‑Pustertaler Zeitung!

Ausgabe 2026/2
Veröffentlicht: 21. Januar 2026

Aktuelle Themen:

  • 25. Olympische Winterspiele:
    Auch wir sind Olympia!
  • Sternsingertreffen in Bruneck:
    Ein großes Vergelt`s Gott
  • Vera Nicolussi-Leck:
    Viele kleine Schritte führen zum Ziel
  • Ausstellung in Bruneck: Planet Drum im Schloss
  • Gsiesertal-Lauf 2026:
    Starkes Teilnehmerfeld, perfekte Loipen…

Kommentar _ Ausg. 2–2026

Olympia zwischen Anspruch und Wirklichkeit

 

Die Olympischen Winterspiele Mailand–Cortina 2026 werden gerne als Gemeinschaftsprojekt präsentiert, als Chance für nachhaltige Entwicklung, moderne Infrastruktur und internationale Sichtbarkeit. Auch Südtirol ist Teil dieses Großereignisses, mit Antholz als Biathlon-Schauplatz. Der Stolz darüber ist nachvollziehbar, ebenso die Begeisterung vieler Sportbegeisterter. Gleichzeitig wäre es unehrlich, die zunehmenden Zweifel, offenen Fragen und Widersprüche auszublenden, die diese Spiele begleiten – wie u.a. die „stoanenden Mandln“.

 

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche politische Verantwortungsträger darüber hinaus betont, dass wichtige Infrastrukturprojekte rechtzeitig vor Olympia fertiggestellt würden. Diese Zusagen wurden immer wieder erneuert. Die Realität zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Diverse schreiten planmäßig voran, andere verzögern sich, werden angepasst oder verteuern sich erheblich. Ehrlichkeit in der Politik würde aber bedeuten, dass offen kommuniziert wird, was tatsächlich olympiabedingt ist, was ohnehin geplant war und was auch nach den Spielen noch Baustelle bleiben wird. Und das von Anfang an!

 

Besonders deutlich wird diese Problematik beim Blick nach Cortina d’Ampezzo. Der Neubau der Bobbahn, international stark kritisiert, gilt vielen als Symbol für eine Entwicklung, bei der ökologische Bedenken, langfristige Nutzung und Kosten-Nutzen-Verhältnisse hinter dem Prestige einer Großveranstaltung zurückstehen. Dass Südtirol über nationale Umlagen und Fonds künftig auch an den Folgekosten solcher Projekte beteiligt sein wird, verstärkt die Skepsis. Der Verweis auf olympische Nachhaltigkeit verliert an Glaubwürdigkeit, wenn gleichzeitig Eingriffe in sensible Naturräume vorgenommen werden, deren Nutzen über die Spiele hinaus umstritten bleibt.

 

Auch in Antholz zeigt sich diese Ambivalenz. Die sportliche Kompetenz und das Engagement der Organisatoren stehen außer Frage. Kritik entzündet sich weniger am Biathlon selbst als an Begleitprojekten wie Speicherbecken, Verkehrsmaßnahmen oder temporären Bauten, deren Notwendigkeit nicht für alle nachvollziehbar ist. Zudem dürfen bei den olympischen Bewerben lokale Mithelfende und Produkte vor Ort nicht so eingesetzt werden, wie es versprochen wurde. Dass hier oft erst spät oder unzureichend erklärt wird, nährt den Eindruck, dass kritische Fragen zwar geduldet, aber nicht wirklich ernsthaft diskutiert werden.

 

Olympia lebt nämlich von positiven Emotionen, von Spitzenleistungen und vom Gemeinschaftsgefühl. Doch gerade deshalb braucht es eine offene, transparente und ehrliche Debatte über Kosten, Prioritäten und langfristige Folgen. Viele Menschen sind bereit, Großereignisse mitzutragen, wenn sie das Gefühl haben, ernst genommen zu werden und wenn Versprechen realistisch formuliert sind. Schönfärberei hilft niemandem, schon gar nicht dem olympischen Gedanken. Am Ende wird Olympia 2026 sportlich zweifellos beeindrucken. Ob es aber auch politisch und gesellschaftlich als Erfolg wahrgenommen wird, hängt davon ab, wie ehrlich bereits heute über das gesprochen wird, was gelingt und was nicht so eintritt wie angekündigt.

 

   

Ihr Reinhard Weger

 

 

 

 

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