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Die Jagd erlebt im Pustertal derzeit eine bemerkenswerte Entwicklung. Während sie lange Zeit vor allem mit Tradition, Brauchtum und dem Erlegen von Wildtieren verbunden wurde, rücken heute zunehmend andere Aspekte in den Mittelpunkt: Naturschutz, Lebensraumpflege, Wildtiermanagement und ehrenamtlicher Einsatz. Gleichzeitig bleibt das Thema emotional und gesellschaftlich umstritten, aber gerade deshalb lohnt sich ein differenzierter Blick.
Mit der neuen Autonomiereform erhält Südtirol im Bereich Umwelt und Jagd künftig mehr Handlungsspielraum. Entscheidungen über Jagdzeiten, Wildmanagement oder den Umgang mit Problemarten wie Goldschakal oder Wolf sollen stärker vor Ort getroffen werden können. Befürworter sehen darin die Chance, schneller und regional angepasster zu handeln. Kritiker mahnen hingegen, dass größere Eigenständigkeit auch besondere Verantwortung verlangt, insbesondere beim Schutz sensibler Tierarten und beim Gleichgewicht zwischen Nutzung und Naturschutz.
Auffallend ist zudem, dass die Jagd heute sichtbar jünger und moderner geworden ist. Der Südtiroler Jagdverband zählt so viele Mitglieder wie noch nie, darunter auch zunehmend Frauen und junge Menschen. Öffentlichkeitsarbeit über soziale Medien, Podcasts oder Informationsveranstaltungen zeigt, dass sich das Bild der Jägerschaft wandelt. Der Versuch, mit alten Klischees aufzuräumen, ist offensichtlich. Das ist auch gut so.
Tatsächlich beschränkt sich die Arbeit vieler Reviere längst nicht mehr nur auf die eigentliche Jagd. Besonders die Kitzrettung hat in den vergangenen Jahren breite Anerkennung gefunden. Mithilfe von Drohnen und freiwilligem Einsatz konnten tausende Jungtiere vor dem Mähtod bewahrt werden. Auch die Pflege von Wildlebensräumen, Müllsammelaktionen oder Bildungsarbeit mit Kindern gehören mittlerweile vielerorts selbstverständlich dazu. Die Auszeichnung des Jagdreviers St. Martin in Gsies mit der „Goldenen Auerhenne“ zeigt exemplarisch, wie stark sich manche Reviere im Natur- und Gemeinschaftsbereich engagieren. Herzliche Gratulation und weiter so!
Dennoch bleibt die grundlegende Frage bestehen, wie Jagd in einer modernen Gesellschaft verstanden werden soll. Für die einen ist sie ein notwendiger Bestandteil des Wildtiermanagements und der Landschaftspflege, für andere bleibt sie ethisch problematisch. Gerade beim Thema Wolf oder beim Einsatz moderner Technik in der Jagd prallen unterschiedliche Vorstellungen von Natur, Tierwohl und Tradition aufeinander. Vielleicht liegt die Herausforderung der Zukunft genau darin, diese Diskussion offen und sachlich zu führen – ohne Romantisierung, aber auch ohne vorschnelle Verurteilung. Denn die Jagd ist heute weit komplexer geworden als das alte Bild vom „Jäger im Wald“. Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Brauchtum, Verantwortung, Naturschutz und gesellschaftlichem Wandel.
Ihr Reinhard Weger
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