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Die aktuelle Ausgabe der PZ‑Pustertaler Zeitung!

Ausgabe 2026/4
Veröffentlicht: 18. Februar 2026

Aktuelle Themen:

  • Streitthema Bettenstopp:
    Ein guter Kompromiss?
  • Olympisches Rodeln: Doppelsieg im Doppel
  • Daniel Alfreider: 
    Zwischen den Steinen
  • Olympiasieger Paul Hildgartner:
    “Alles gut gegangen”
  • Fasching in Bruneck:
    Die bunte Vielfalt trotz ruhiger Bühne

Kommentar _ Ausg. 4–2026

Bettenstopp zwischen Maßhalten und Machtfrage

 

Die Diskussion um den Bettenstopp zeigt vor allem eines: Tourismus ist schon längst kein Randthema mehr, sondern eine Identitätsfrage. Wie viele Gästebetten verträgt das Land noch? Und wer entscheidet darüber? Ausgangspunkt war der Beschluss von 2022: Wer genehmigte Baurechte hatte, muss bis September 2026 das entsprechende Projekt einreichen, sonst verfallen sie. Nun stand plötzlich eine fünfjährige Verlängerung im Raum. Gouverneur Arno Kompatscher und Landesreferent Luis Walcher signalisierten den Bürgermeistern offen, man wolle die Entscheidung den Gemeinden überlassen und sei zuversichtlich, dies auch durch die Landesregierung zu bringen. Der politische Ball schien bereits gespielt. Dass man dabei offenbar von einer gesicherten Mehrheit ausging, wirkte auf viele wie eine Machtdemonstration oder zumindest wie ein gewisses Maß an Präpotenz.

 

Doch dann kam der Protest. Zwei Online-Petitionen sammelten innerhalb weniger Tage über 12.000 Unterschriften. Der Unmut auf der Straße und in den sozialen Medien war deutlich spürbar. Erst dieser Druck – kombiniert mit parteiinternen Spannungen – führte zum Einlenken. Der nun gefundene Kompromiss: Verlängerungen nur für strukturschwache und abwanderungsgefährdete Gemeinden. Die Gegner einer Aufweichung argumentieren klar: Südtirol zählt bereits über 38 Millionen Nächtigungen im Jahr und mehr als 260.000 Betten. Weitere 12.000 Betten könnten zwei Millionen zusätzliche Nächtigungen und Hunderttausende zusätzliche Autofahrten bedeuten. Mehr Verkehr, mehr Wasserverbrauch, mehr Druck auf Landschaft und Wohnraum. Zudem sei die Datengrundlage zur tatsächlichen Bettenzahl lange unklar gewesen.

 

Die Befürworter halten jedoch dagegen: Nicht jede Gemeinde ist gleich. Während Tourismushochburgen an ihre Grenzen stoßen, kämpfen andere Orte mit Abwanderung. Außerdem besteht unser Tourismus zu 75 Prozent aus Klein- und Mittelbetrieben mit durchschnittlich rund 40 Betten. Dabei handelt es sich um keine Hotelkettenlandschaft. Der Tourismus sichert auch Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Lebensqualität, finanziert Infrastrukturen und hält die Täler lebendig. Ein pauschales „Genug!“ greift aus deren Sicht zu kurz.

 

Südtirols Tourismus ist ohne Zweifel ein Erfolgsmodell. Familienbetriebe haben das Land international positioniert, Qualität statt Masse war lange das Markenzeichen. Gleichzeitig sind aber Verkehr, Wohnraummangel und Flächenverbrauch als reale Sorgen längst bei der Bevölkerung angekommen. Was bleibt, ist daher ein politischer Lerneffekt: Große Weichenstellungen lassen sich mittlerweile nicht mehr im Hinterzimmer vorbereiten und dann per Mehrheitsarithmetik einfach durchdrücken. Wer gesellschaftliche Akzeptanz will, muss sie vorher suchen und nicht erst nach Protesten.
Entscheidend wird nun sein, wie ehrlich und transparent die Kriterien für „strukturschwache Gemeinden“ definiert werden. Sonst droht die nächste Debatte. Klar ist: Den Tourismus brauchen wir. Aber wir brauchen eine Steuerung der großen Tourismusströme mit Maß, einer richtigen Datenbasis und politischer Sensibilität. Denn Wachstum allein ist kein Konzept. Und Stillstand auch nicht!

 

 

Ihr Reinhard Weger

 

 

 

 

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