Ausgerechnet eine der größten Hochburgen der Freiheitlichen, die Gemeinde Vintl, wurde jüngst von einem „Blauen Beben“ erschüttert: Die bisherige freiheitliche Ortsgruppe kehrt der Partei den Rücken und will mit einer Bürgerliste an den Start gehen. Die Gemeinderäte Fritz Arbter und Hannes Zingerle rechnen gnadenlos ab.

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Die Gemeinderäte Fritz Arbter und Hannes Zingerle            df

PZ: Meine Herren, was waren die wichtigsten Gründe für den Bruch mit der freiheitlichen Partei?

Zingerle: Der erste Grund ist sicher die allgemeine Politikverdrossenheit der Wähler, der man entgegenwirken muss. Nicht nur die SVP, sondern auch die Freiheitlichen haben sich jüngst nicht mit Ruhm bekleckert. Schon bei den Gemeinderatswahlen in Bruneck, wo es eine engagierte Ortsgruppe der Freiheitlichen gibt, hat man viele Wählerstimmen unverschuldet verloren. Dies zeigt, dass derzeit zu viele Wähler das Parteilogo mit Enttäuschung verbinden - auch wenn auf Gemeindeebene gut gearbeitet wird.

 

Was habt ihr euch für die kommenden Gemeinderatswahlen vorgenommen?

Arbter: Grundsätzlich geht es uns vor allem darum, der Wählerschaft eine gute Alternative zu bieten.

Zingerle: Wir gründen eine Bürgerliste. Der Name ist noch festzulegen, ebenso ist noch zu bestimmen, wer kandidieren wird. Das Parteiprogramm soll in Kürze erarbeitet werden. Wichtig ist uns, wie bereits erwähnt, dass eine sinnvolle Alternative vorhanden ist. Darüber hinaus möchten wir mit unserer neuen Liste dazu beitragen, dass die Wahlbeteiligung nicht zu stark zurückgeht.

 

Wie hat die Wählerschaft auf euren Schritt reagiert?

Arbter: Es gab überwiegend positive Reaktionen. Durch unseren Schritt sollen einige abgefallene Stammwähler aus unserer Zeit als Freiheitliche wiedergewonnen werden. Natürlich wissen wir noch nicht, ob der Schritt bei allen ankommt, doch in der Politik kann sich sowieso niemand seiner Stimmen sicher sein.

Zingerle: Anmerken möchte ich noch, dass wir – sollte tatsächlich ein sehr positives Endergebnis zustande kommen - auch nicht vor der Übernahme neuer Aufgabenbereiche zurückschrecken würden. Die Leute, welche bis jetzt auf unserer Liste zu finden sind, geben sich jedenfalls sehr motiviert und stecken sich hohe Ziele.

 

Als Oppositionskräfte habt ihr immer wieder auf Missstände hingewiesen, zuletzt ging es um den „Vereinsmissbrauch“ der SVP…

Zingerle: Zumindest in der Ortschaft Niedervintl verschickte die SVP Briefe, in denen Mitglieder der Vereine in die Kandidatensuche eingebunden werden sollten. Als  Jugend- und Jugendkapellenleiter habe auch ich solche Briefe erhalten. Ich bin selbst in einigen Vereinen tätig und konnte es anfangs gar nicht glauben; schließlich haben politische Anliegen im Vereinsleben nichts verloren.

Arbter: Richtig! Die Vereine unserer Gemeinde haben mit den Parteien nichts am Hut und sollen auch dementsprechend behandelt werden.

 

Was muss auf Gemeindeebene sonst noch verbessert werden?

Arbter: Wie in vielen anderen Gemeinden auch, hatte der Ausschuss sozusagen Narrenfreiheit. Zudem nehmen viele SVP-Gemeinderäte eine sehr passive Rolle ein, beteiligen sich kaum an kritischen Diskussionen. Wir versuchten bis jetzt, uns stets aktiv einzubringen und den Regierenden auf die Finger zu schauen.

Zingerle: Im Sinne der Demokratie haben wir immer eine sehr aktive Oppositionsarbeit betrieben, Anfragen und Beschlussanträge verfasst. Dass wir damit, wie der Bürgermeister anmerkte, den Betrieb aufhalten würden, ist ein haltloser Vorwurf, schließlich ist es die Pflicht jedes gewählten Politikers, sich auch aktiv am politischen Geschehen zu beteiligen.

 

Vielen Dank für die Ausführungen!

Interview: Dominik Faller


 

Bürgermeister Walter Huber - „Keine politischen Scharmützel!“

 

Mit gemischten Gefühlen blickt Bürgermeister Walter Huber den Gemeinderatswahlen im Mai entgegen. Er bekommt eigenen Aussagen zufolge vom Wahlkampf noch relativ wenig mit, da die einzelnen SVP-Ortsgruppen erst noch genügend geeignete Kandidaten und Kandidatinnen finden müssen. Am 15. März werden in allen vier Fraktionen Vorwahlen durchgeführt, die dann mehr Aufschluss über die endgültige SVP-Liste geben werden. Doch beschäftigt ihn der Schritt der bisherigen freiheitlichen Gemeinderäte? Der ehemalige Mathematikprofessor braucht nicht lange zu überlegen: „Ich muss mich auf meine eigenen Aufgabenbereiche konzentrieren, in der Gemeinde steht genügend Arbeit an. Eine Bewertung des gegnerischen Lagers steht mir, wie ich finde, nicht zu.“ Er hat ein klares Motto. „Jeder, der sachliche und kompetente Politik betreiben will, soll in der Gemeinde auch seinen Platz erhalten. Wer dies schlussendlich sein wird, wird von den Bürgern selbst bestimmt“, so der Bürgermeister. Er bestätigt dann auch, dass die Kandidatensuche in der gesamten Gemeinde etwas schleppend verläuft. Dennoch bemühen sich alle Parteien sehr intensiv um gute Kandidaten. „Das ist schon einmal positiv“, so Huber. Auch er möchte seine Tätigkeit als Bürgermeister fortführen, da in allen Fraktionen größere Projekte begonnen wurden. „Diese gilt es fortzuführen und zu Ende zu bringen“, meint er. „Ich hoffe, im Dienste aller Bürger weiterarbeiten zu können. Politische Scharmützel nützen der Gemeinde wenig. Alle sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren.“     

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