Die getroffenen Revitalisierungsarbeiten der Abteilung Wasserschutzbauten zur Verbesserung des ökologischen Zustandes an Bächen und Flüssen werden von den Umweltverbänden begrüßt. In Zukunft sollten aber auch Umweltgelder der Wasserkraftwerke für Flächenankäufe verwendet werden.

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Revitalisierungsmaßnahme an der Ahr (Bild vom Mai 2015)

Die Naturlandschaft Südtirols ist so wie im gesamten Alpenraum vom Menschen stark verändert worden. Durch die Kultivierung und vor allem durch den Einsatz moderner Technik sind nur noch minimale Restflächen der ehemaligen Naturlandschaft übrig. Damit einher gehen der Verlust von natürlicher unberührter Landschaft und das Verschwinden einer Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten. Besonders drastisch zeigt sich dies entlang der Flüsse und in den Resten der Auwälder in den Talböden. 90% der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten Südtirols sind an den Lebensraum Gewässer und seine angrenzenden Feuchtlebensräume gebunden.     

Die Wiederherstellung und Erhaltung des guten ökologischen Zustandes der Fließgewässer und ihrer angrenzenden Aulandschaften wird von der EU-Wasserrahmenrichtlinie 2000/60 ausdrücklich gefordert. Diese Forderung wird auch in der EU-Hochwasserrichtlinie 2007/60 bekräftigt. Demnach dürfen Maßnahmen zum Hochwasserschutz keine Verschlechterung des Naturzustandes bringen, sondern müssen vielmehr Synergien zum Naturschutz beinhalten. 

 

Neuer Umgang mit Wasser

Daher werden die getroffenen Revitalisierungsarbeiten der Abteilung Wasserschutzbauten zur Verbesserung des ökologischen Zustandes an einigen Bächen und Flüssen von Südtirols Umweltverbänden und Organisationen sehr begrüßt. Dieser neue Umgang mit Fließgewässern und Flächen des öffentlichen Wassergutes mit dem Ziel, die vielfach verlorene ökologische Funktionsfähigkeit zumindest an geeigneten Stellen wieder herzustellen, ist der richtige Weg. Die Arbeiten an der Ahr und am Mareiterbach sind Vorzeigeprojekte, die nationale Auszeichnungen gebracht haben und internationale Beachtung finden. Aber auch die gewässerökologischen Aufwertungsarbeiten an der Etsch, am Eisack und der Talfer zeigen positive Auswirkungen und machen Hoffnung auf noch mehr Revitalisierungsmaßnahmen. Dass diese Umgestaltungsmaßnahmen auch kurzzeitige Verluste von Einzelelementen mit sich bringen, ist unvermeidlich und liegt schlussendlich auch in der Natur der Fließgewässer. 

Der Fluss ist das klassische Bild für Veränderung und lebt von der Dynamik. Selbstverständlich ist es wichtig, dass diese Revitalisierungsmaßnahmen verantwortungsvoll geplant und umgesetzt und genau verfolgt werden, ob der eingeschlagene Weg zum Ziel führt. Das muss von den zuständigen Behörden im Genehmigungsverfahren gemacht werden. Genauso wichtig ist es, dass Vertreter der Naturschutzverbände dabei kontrollieren, mitreden und Verbesserungsvorschläge einbringen, weil sie die Situation oft länger und besser kennen. Bisher ist dieser Prozess mit der Abteilung Wasserschutzbauten gut gelaufen. Daher unterstützen wir die Revitalisierungsmaßnahmen und werden sie weiterhin kritisch verfolgen und Verbesserungen einbringen. Von haltlosen Anschuldigungen und Verunglimpfungen dieser Arbeiten durch einzelne Personen distanzieren wir uns ganz klar. 

 

Landwirtschaftliche Flächen vermehrt ankaufen?

Für zukünftige Revitalisierungsarbeiten und Flussaufweitungen sollten auch vermehrt landwirtschaftliche Flächen aufgekauft werden, sofern verfügbar. Besonders den großen Flussläufen der Talsohle steht nur ein enges Korsett zur Verfügung. Diesen mehr Flächen zu geben ist ein Gebot der Stunde, auch und im Sinne eines verbesserten Hochwasserschutzes. Als Geldquelle bieten sich die vorhandenen Umweltgelder aus den Wasserkraftwerken an. Eine Möglichkeit wäre es, diese in einem Fond zu bündeln und speziell für Flächenankäufe zu reservieren.

Wir würden uns abschließend noch wünschen, dass die jährlichen „Abholzungen und Pflegemaßnamen aus Sicherheitsgründen“ längs der Flussufer zurückhaltender und rücksichtsvoller ausgeführt werden. Verschiedene Wildtiere, besonders Vögeln, würde davon profitieren.

 

Klaus Graber, Naturtreff  Eisvogel;

Klauspeter Dissinger, 

Dachverband für Natur- und Umweltschutz;

Norbert Dejori,

Vereinigung Südtiroler Biologen (VSB);

Leo Unterholzner, Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (AVK);

Eva Prantl, Umweltschutzgruppe 

Vinschgau;

Andreas Hilpold, Hyla-Umweltgruppe EI;

Andreas Riedl, FishFirst.

 

 

Zusätzliche Informationen